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Wintersport: Sicher macht es doppelt Spaß

Neun von zehn Unfällen auf heimischen Skipisten sind selbst verschuldet. Stürze ereignen sich bei höherem Tempo, auf steilen Pisten, in weichem Schnee oder bei schlechter Sicht – vieles davon wäre einfach vermeidbar.

Die Folgen von Skiunfällen sind naturgemäß meist umso schwerer, je höher die Fahrgeschwindigkeit der Skisportler:innen zum Unfallzeitpunkt war. So wirkt beispielsweise ein Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h wie ein Sturz aus dem dritten Stock eines Hauses. Kommen dann auch noch konditionelle Schwächen, Selbstüberschätzung sowie die Missachtung der FIS-Verhaltensregeln oder Materialmängel dazu, kann das rasch dramatische Folgen haben.

Riskantes Verhalten reduzieren

Eine gute Vorbereitung reduziert allerdings die Risiken und erhöht den Spaßfaktor beim Wintersport. Viele Unfälle ereignen sich kurz vor der Mittagspause und am Nachmittag. Daher ist das Einhalten von Erholungspausen wichtig. Wer auch noch auf angepasste körperliche Fitness, funktionstüchtiges Skimaterial, das Tragen von Skihelm und Protektoren und das Einhalten der FIS-Verhaltensregeln achtet, hat schon viel dafür getan, dass Unfälle und damit Verletzungen gar nicht erst entstehen. Wer sich bereits im Vorfeld überlegt, welche Gefahren auftreten könnten, stellt sich automatisch besser auf richtige und möglichst sichere Verhaltensweisen ein. Geschwindigkeit und Fahrweise werden dem persönlichen Fahrkönnen an­gepasst. Besonders schwierig erscheint das aber in Gruppen. Hier liegen Spaß und Risiko oft sehr nahe beieinander: Das tolle Fahrgefühl, die gemeinsame Euphorie, der Gruppendruck und Imponiergehabe führen dazu, dass Risiken falsch eingeschätzt werden. Beeinflusst wird dies darüber hinaus noch durch den Erlebnishunger vieler Jugendlicher, den Wunsch nach Abgrenzung von der Erwachsenenwelt und eine von der Werbung geschaffene „Freeride-­Ideologie“.

Fit und trainiert auf die Piste

Skifahren und Snowboarden verlangen Fähigkeiten, die im Alltag oft nicht ausreichend trainiert werden. Regelmäßige körperliche Aktivität und Gewöhnung an die skispezifischen Belastungen senken auch das Risiko für Verletzungen und Überanstrengung. Die ideale Vorbereitung besteht aus einem Mix aus Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining. Mit der regelmäßigen Steigerung der körperlichen Fitness sollte spätestens im Herbst begonnen werden. Ausdauer kann beim Radfahren, Laufen, Inlineskaten, Schwimmen oder Wandern trainiert werden und sollte mindestens zweimal pro Woche für zumindest 20 Minuten auf dem Programm stehen. Beim Krafttraining sollte besonders auf die Kräftigung der Oberschenkel-, Rücken- und Rumpfmuskulatur geachtet werden. Im Bereich der koordinativen Fähigkeiten sollte das Gleichgewichtsgefühl trainiert werden.

Wetter und Kleidung gehören zusammen

Die Kenntnis der aktuellen Wettersituation und der -prognosen zählt zu den wichtigsten Vorbereitungen für einen sportlichen Tag in den Bergen. Scheint gerade noch die Sonne, kann in kurzer Zeit starker Nebel einfallen, es beginnt zu schneien oder starker Wind kommt auf. Das erfordert die passende Ausrüstung, am besten im sogenannten „Zwiebelschalenprinzip“. Das sind Kleidungsschichten unterschiedlicher Dicke und Material übereinander. Passende Kleidung soll wärmen, vor Wind und Niederschlag schützen und ausreichend atmungsaktiv sein, um Feuchtigkeit nach außen transportieren zu können.
Handschuhe schützen vor Kälte, Wind und Nässe, aber auch vor Verletzungen. Eiskristalle oder Stahlkanten von Ski oder Snowboard können, besonders bei Stürzen, schwerwiegende Schnittverletzungen verursachen. Handgelenksverletzungen gehören beim Snowboarden zu den häufigsten Verletzungen, daher gibt es spezielle Handschuhe mit Kunststoffschienen. Ein Rückenprotektor sowie eine so genannte „Prallhose“ sind Must-haves. Gemeinsam schützen sie Wirbelsäule, Schulterblätter, Steißbein, Hüften und Oberschenkel.

Gute Sicht beugt Unfällen vor

Nur mit guter Sicht ist es möglich, sich richtig zu orientieren, die Umgebung wahrzunehmen und so rasch zu reagieren sowie Unfälle zu vermeiden. Durch die Reflexion der Sonne im Schnee wird das menschliche Auge insbesondere beim Wintersport stark geblendet. In Höhenlagen sind die Augen zudem ­verstärkt der UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt. Skibrillen schützen die Augen vor Schnee, Wind, Regen und UV-Strahlung der Sonne. Sie zählen daher zur Pflichtausstattung beim Skifahren und Snowboarden. Gewöhnliche Sonnenbrillen sind für den Wintersport daher eher ungeeignet. Unzerbrechliche Rahmen, Gläser und Bügel tragen zusätzlich dazu bei, das Auge vor Verletzungen zu schützen. Es gibt Skibrillen, die speziell für Brillenträger:innen entwickelt wurden und über der optischen Brille getragen werden können. Sie sind etwas größer und verfügen meist über seitliche Aussparungen in Rahmen und Schaumstoff, damit die Brillenbügel Platz haben.

Nicht ohne Helm auf die Piste

Der Helm schützt den Kopf im Fall eines Sturzes oder eines Zusammenstoßes mit anderen Personen oder Gegenständen. 85 Prozent aller Schädel- und Hirnverletzungen können durch das Tragen eines Helms vermieden oder in ihren Folgen deutlich minimiert werden. Im Gegensatz zu einer Mütze bietet der Helm weitere Vorteile: Er hat eine bessere Wärmefunktion bei Kälte, Wind, Schnee und Regen, aber auch gegen Sonnenstrahlen schützt er besser. Verstellbare Lüftungsschlitze lassen eine einfache Regelung der Temperatur zu.

Die richtige Größe des Helms kann nur durch Probieren ermittelt werden. Bei der Anprobe beginnt man bei einem relativ großen Helm und nähert sich nach und nach der idealen kleineren Helmgröße an. Für die Sicherheit entscheidend ist neben dem richtigen Sitz des Helms auch das Material und die Haltbarkeit. Größenverstellmöglichkeiten dienen nur der präzisen Justierung der Passform, denn der Helm muss auch ohne Feinabstimmung fest und sicher sitzen. Der Kinnriemen wird möglichst straff eingestellt. Zwischen Kinnriemen und Kinn sollte gerade noch ein Finger passen. Jedenfalls viel zu locker ist der Kinnriemen eingestellt, wenn er sich über das Kinn bis zum Mund hin verschieben lässt. Tipp: Auch wenn nach einem schweren Sturz keine Schäden am Helm erkennbar sind, sollte er ausgetauscht werden. Denn bereits feinste Haarrisse können die Schutzwirkung beim nächsten Sturz massiv reduzieren. (rh)

Tipps für die sichere Ausrüstung

  • Ski und Snowboard müssen zum Können passen – lassen Sie sich beim Kauf im Fach­geschäft beraten.
  • Vor dem Start der Saison sollte ein Service durchgeführt werden: Es umfasst Reinigung, Auftragen von Heißwachs, Abziehen, Ausbürsten und Kantenschliff
  • Das richtige Schuhwerk sorgt für sicheren Halt und warme Füße. Vor allem die Ferse muss fest im Schuh sitzen, damit eine optimale Kraftübertragung und schnelles Reagieren möglich sind. Schuhe und Bindung müssen gut aufeinander abgestimmt sein.
  • Eine richtig eingestellte Bindung erhöht den Fahrspaß und hilft, Unfälle zu vermeiden und Verletzungsfolgen zu reduzieren. Wenden Sie sich dazu an den Fachhandel.

Information und Angebote für Schulen und Pädagogen:Päda­goginnen
 

start.skisicherheit.info

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