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Wissen: Warum machen Online-Meetings so müde?

Seit Beginn der Pandemie verbringen viele Mitarbeiter mehr Zeit vor dem Bildschirm als je zuvor, denn zur eigentlichen Kernarbeit kommen jetzt noch zusätzlich Meetings, virtuelle Kaffeezimmer oder die privaten Yogastunden. Was auf den ersten Blick nicht anstrengend und sehr zeitsparend klingt, macht offensichtlich aber mehr müde als die gewohnte Abwechslung. Dieser Umstand hat in der Fachwelt bereits einen Namen bekommen: „Zoom-Fatigue“.

Fatigue, der medizinische Fachausdruck für das chronische Ermüdungssyndrom, bezieht sich dabei nicht auf diese Konferenz-Plattform, sondern bezeichnet ganz allgemein die Erschöpfung, die sich durch das ständige Vor-dem-Bildschirm-Sein breit macht. Untersucht wurde das Phänomen unter anderem von Prof. Jeremy Bailenson am Virtual Human Interaction Lab der Stanford University (USA). Seiner Studie zufolge ist ein wesentlicher Stressfaktor der ständige Augenkontakt. Wer in einem Offline-Meeting sitzt, kann seinen Blick umherschweifen lassen, Notizen machen, beim Fenster hinausblicken. Online wird hingegen der Bildschirm fixiert – alles andere gilt rasch als unaufmerksam! Das erzeugt damit auch eine Nähe, die wir in einem Sitzungszimmer nie zu unseren Kollegen aufbauen würden. Wir sehen uns ständig selbst – auch das erzeugt Stress. Gleichzeitig bewegen wir uns kaum, um immer im Bildschirmfenster sichtbar zu sein. Die nonverbale Kommunikation fehlt völlig, dafür müssen Gesten wie Daumen hoch oder runter als Zeichen für Zustimmung oder Ablehnung, übertriebenes Kopfnicken zusätzlich gelesen werden und sind zusätzliche kognitive Leistungen neben der eigentlichen Arbeit, dem inhaltlichen Erfassen des Diskussionsthemas. Für das Gehirn wird damit eine besonders intensive Aufmerksamkeits- und Erregungssituation erzeugt, die mit einem herkömmlichen Face-to-Face-Meeting nicht mehr vergleichbar ist.

Die Lösung

  • Verkleinern Sie das Konferenz-Fenster auf Ihrem Bildschirm.
  • Ändern Sie die Sprecheransicht, sodass Sie nicht ständig von vielen Kachel-Gesichtern angestarrt werden.
  • Halten Sie beim Zuhören bewusst einen größeren Abstand zum Bildschirm.
  • Wechseln Sie die Sitzposition.
  • Nutzen Sie zwei verschieden hoch positionierte Kameras, dann können Sie während eines Meetings sitzen oder stehen.
  • Schalten Sie, wenn möglich und erlaubt, auch die Kamera einfach aus.

Jeremy N. Bailenson, Nonverbal Overload: A Theoretical Argument for the Causes of Zoom Fatigue, Journal Technology, Mind and Behavior, Volume 2, Issue 1, DOI: 10.1037/tmb0000030