Bergsport in Zeiten von Corona

Wie eine freudvolle Bergsportausübung ab 1. Mai 2020 erfolgen kann, darüber haben sich Experten des Österreichischen Alpenvereins und der Naturfreunde in Zusammenarbeit mit dem Verband alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ) verständigt.

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Gemeinsam wurden Leitlinien erarbeitet, die vertraute Sicherheitsvorkehrungen um zumutbare Maßnahmen erweitern, um so das Infektionsrisiko bei gemeinsamen Unternehmungen zu minimieren. Im Mittelpunkt stehen sieben Grundregeln, die um sportartspezifische Empfehlungen für die alpinen Kernsportarten ergänzt werden.

Möglichkeiten eines sicheren Hüttenbetriebes

„Covid-19 ist unerwartet in nahezu alle Bereiche unseres Lebens getreten. Ziel unserer Leitlinien ist es, das Infektionsrisiko zu minimieren, besonders wenn Personen gemeinsam unterwegs sind, die nicht in einem Haushalt leben“, sagt Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins. „Die alpinen Vereine Österreichs haben ein wirksames und zumutbares Regelsystem für den Bergsport erarbeitet. Nun geht die Phase 2 los, in der gemeinsam an der Schutzhüttenöffnung gearbeitet wird“, ergänzt Andreas Schieder, Vorsitzender der Naturfreunde Österreich. Die Gastronomiebereiche zahlreicher Hütten werden voraussichtlich ab 15. Mai wieder öffnen, Übernachtungen werden ab 29. Mai möglich sein – zu beachten sind dann die jeweils geltenden Regelungen.

Grundregeln für den Bergsport

  1. Risikobereitschaft zurücknehmen
    Bei alpinen Unternehmungen deutlich unterhalb der persönlichen Leistungsgrenze bleiben. Bedenke die Corona-bedingten Risiken und Erschwernisse bei Rettungseinsätzen sowie die zusätzliche Belastung der Spitäler. Mehr denn je gilt: Nur gesund in die Berge!
  2. Abstand halten, mindestens 2 m
    2 Meter, das sind etwas mehr als 2 Armlängen bei einem Erwachsenen. Einen Mund-Nasen-Schutz verwenden, wenn in Ausnahmefällen der Mindestabstand von 2 m unterschritten werden muss. Bestimmte Bergsportaktivitäten (z. B. wie Mountainbiken) können auch größere Abstände erfordern.
  3. Bergsport nur in Kleingruppen
    Die konkrete Personenzahl hängt von der jeweiligen Bergsportart ab. Mit 10 Personen ist eine Obergrenze vorgegeben. Bedenke, dass es mit zunehmender Gruppengröße schwieriger wird, Abstand zu halten! Stark frequentierte Touren und Plätze meiden.
  4. Gewohnte Rituale unterlassen
    Händeschütteln, Umarmungen, Gipfelbussi, Trinkflasche anderen anbieten et cetera  vermeiden!
  5. Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel mitnehmen
    Neben der allgemeinen Notfallausrüstung gehören Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel für die nächste Zeit in den Rucksack.
  6. Mund-Nasen-Schutz bei Fahrgemeinschaften und in Öffis
    Zudem dürfen in jeder Sitzreihe einschließlich dem Lenker nur zwei Personen befördert werden. Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bevorzugen.
  7. Im Notfall wie immer
    Als Ersthelfer nach den allgemein üblichen Erste-Hilfe-Richtlinien vorgehen und zusätzlich einen Mund-Nasen-Schutz verwenden.

Sportartspezifische Empfehlungen

Bei Bergwandern/Bergsteigen/Skitouren/Schneeschuh­wandern gilt das Umsetzen der Grundregeln.

Bei Sportklettern (Klettergärten) und Bouldern outdoor

  1. Umsetzen der Grundregeln.
  2. Regelmäßiges Desinfizieren der Hände.
  3. Das Seil beim Klippen nicht in den Mund nehmen.
  4. Die eigene Ausrüstung verwenden: Expressschlingen, Sicherungsgerät, Seil.
  5. Partnercheck auf Distanz: Die Partner fordern sich gegenseitig zur Überprüfung von Knoten, Karabiner, Sicherungsgerät und Gurt auf und beobachten sich dabei gegenseitig.
  6. Spotten mit Mund-Nasen-Schutz und anschließender Desinfektion der Hände.

Am Klettersteig

  1. Umsetzen der Grundregeln.
  2. Verzicht, wenn bereits mehrere am Steig unterwegs und Staus absehbar sind.
  3. Rücksichtnahme und Abwarten am Einstieg.
  4. Geschwindigkeit so wählen, dass man nicht auf andere Personen aufläuft.
  5. Überholen nur, wo die Abstandsregel eingehalten werden kann und kein Sicherungsbedarf besteht (Absätze, Bänder).
  6. Ausstiegsbereich nach Beendigung des Klettersteigs rasch verlassen.
  7. Klettersteige nicht in der Gegenrichtung begehen.
  8. Klettersteig-Handschuhe verwenden.

Mehrseillängen/Alpinklettern/Hochtouren

  1. Umsetzen der Grundregeln.
  2. Maximal zwei Personen am Standplatz.
  3. Partnercheck auf Distanz: Die Partner fordern sich gegenseitig zur Überprüfung von Knoten, Karabiner, Sicherungsgerät und Gurt auf und beobachten sich dabei gegenseitig.
  4. Hände desinfizieren vor und nach einer Klettertour.

Mountainbike/Tourenrad

1.     Umsetzen der Grundregeln.
2.     Höhere Geschwindigkeiten erfordern größere Abstände beim Hintereinanderfahren: 5 m bergauf, 20 m bergab und in der Ebene.
3.     Wenn überholen, dann rasch und nur, wenn der seitliche Mindestabstand von 2 m eingehalten werden kann.