Brandschutz in der Praxis

Gerade weil Brandereignisse zum Glück recht selten vorkommen, ist eine fachgerechte Vorbereitung und häufiges Üben umso wichtiger, damit es im Ernstfall reibungslos ablaufen kann.

© R. Reichhart

Brandschutzübungen waren im Schulunterricht eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Nach ein paar Schrecksekunden, ob es nicht doch „wirklich“ brennt, folgte man den Anweisungen des Lehrpersonals und ging zügig und geordnet zum Sammelpunkt. Die Aufgaben waren klar. Nicht immer so eindeutig kann das in fremder Umgebung laufen, etwa in einem Hotel. Selten macht man sich mit den Fluchtwegen, Sammelpunkten oder Brandschutzplänen vertraut, wenn man eincheckt. Ist es dann doch so weit und die Sirenen weisen auf einen Feueralarm hin, kann es reichlich spät sein, sich mit diesen Informationen vertraut zu machen. Dazu kommt, dass ein Feueralarm oft nicht ernst genommen wird. Manche Gäste machen mit ihren  „Morgenroutinen“ weiter, andere packen ihre Koffer und versperren beim unerwarteten Auschecken dann auch noch den eintreffenden Rettungskräften den Weg.

Wenn der Alarm losgeht …

Unabhängig, wie der Alarm gegeben wir - akustisch, optisch oder beides -, sollte jedem die Möglichkeit geboten werden sich zu informieren, was die Alarmierungsmuster bedeuten. Eine Studie des BSI (British Standard Institut) hat gezeigt, dass beispielsweise Livedurchsagen bis zu viermal schnellere Reaktionszeiten bedingen als einfache Tonsignale durch Tonsignalgeber. Je früher und schneller Personen auf Alarmierungen reagieren und adäquate Handlungen setzen, desto besser ist die Erfolgsquote für eine gelungene Gebäudeevakuierung. Damit im Ernstfall keine wertvolle Zeit verloren geht, kann es zielführend sein, die Möglichkeit, im Büro weiterzuarbeiten oder im Hotel einfach weiterzuschlafen, durch eine zentrale Sperre der PCs oder weitere Signale – zum Beispiel Blinken der Zimmerbeleuchtung – zu unterbrechen.

Je nach Gebäudestruktur haben Stiegenhäuser und Fluchtwege gewisse Mindestbreiten und Kapazitäten, ebenso wie Notausgänge. Dies ist abhängig von der höchstmöglich zu erwartenden Anzahl gleichzeitig anwesender Personen. Im Ernstfall kann es daher sein, dass in kurzer Zeit viele Personen diese Wege benützen müssen. Leider kommt es aber allzu oft vor, dass Personen nicht nur ihr eigenes Leben in Sicherheit bringen wollen, sondern auch noch Wertgegenstände, persönliche Utensilien oder Gepäck. Dies bedingt neben dem zu erwartenden Personenstrom einerseits zusätzlichen Platzbedarf und bringt andererseits weitere Gefahrenquellen in den Fluchtweg ein, wie Stolper- und Sturzgefahr. Gerade in Ausnahmesituationen fehlen Menschen ihre gewohnten Handlungsroutinen und Kompensationsmechanismen, die dann in einem erhöhten Stressniveau resultieren. Dies kann dann zur Reduktion der rationalen Fähigkeiten und der kognitiven Kapazität, einer Wahrnehmungseinschränkung bis zur völligen Aufgabe kooperativer Werte und zum ausschließlichen Sichern des eigenen Überlebens führen.

Sammelplätze erreichen

Sammelplätze sind Orte, an denen sich Personen im Falle einer Gebäudeevakuierung einfinden sollen. Sie sollten außerhalb des Gefahrenbereichs sein und auch den Zugang der Einsatzorganisationen nicht erschweren oder gar behindern. Bei der Wahl eines geeigneten Sammelplatzes ist natürlich auch zu bedenken, ob die zu evakuierenden Personen ortskundig oder unkundig sind. Gibt es keine klaren Anweisungen, welcher Fluchtweg zu nehmen ist, werden Personen den ihnen bekannten oder einen augenscheinlich sicheren Weg wählen – das muss nicht immer der kürzeste oder sicherste sein.
Auch will ein Sammelplatz gut organisiert werden, immerhin muss festgestellt werden, ob wirklich alle Personen diesen erreicht haben oder ob noch Menschen vermisst werden. Der oder die Sammelplatzverantwortliche muss dies den Einsatzorganisationen weitergeben und auf Rückfragen dieser reagieren können. Zusätzlich hat es sich als sinnvoll erwiesen, mit Funktionen betraute Personen auch zu kennzeichnen, etwa mit Überwurfwesten.

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Unfallverhütung und Berufs­krankheitenbekämpfung
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Mag. Patrick Winkler, AUVA-Hauptstelle
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