Der gute Raum macht´s aus!

Lärm in der Schule belastet Kinder und Lehrkräfte. Wirksame Präventionsmaß­nahmen sind gefragt.

© B. Witzmann

© B. Witzmann

Die AUVA bietet kostenlose Nachhallmessungen und Lärmberatungen an: HUB-laermgruppe(at)auva.at

Ein wesentliches Ziel des Unterrichts, Bildungsinhalte zu vermitteln, wird durch Lärm maßgeblich gestört. Zudem sind soziale und emotionale Auswirkungen zu beobachten: Belastungen durch Lärm können die Hilfsbereitschaft verringern und aggressives Verhalten fördern.
Lärm in den Bildungseinrichtungen entsteht hauptsächlich durch die menschliche Stimme. Dazu kommen noch Geräusche wie das in den Schultaschen kramen, Stühle rücken, Trittschallgeräusche, Musikinstrumente, Werkzeuge et cetera. Alle diese Geräusche erzeugen Schallwellen, die im Klassenzimmer vielfach reflektiert werden. Bei der Stimme unterscheidet man in:

  • Direktschall: Dieser trägt die Hauptinformation.
  • Nützliche frühe Reflexionen: Diese werden vom menschlichen Gehör mit dem Direktschall zusammengefasst und unterstützen eine gute Sprachverständlichkeit.
  • Nachhall: Bei Musik kann Nachhall die Stimme und die Instrumente unterstützen und ist oft wünschenswert, für Kommunikation gilt dies nicht. Nachhall „verschleift“ die in der Sprache enthaltenen Informationen. Die Sprachverständlichkeit sinkt mit zunehmender Nachhallzeit stark ab.

Glatte Raumoberflächen wie Glas oder Beton verlängern die Nachhallzeit. Störgeräusche bleiben länger im Raum und um weiter verstanden zu werden, spricht man lauter. Dies erzeugt wiederum nachhallende Störgeräusche. Für Kinder ist entwicklungsbedingt eine gute Raumakustik noch bedeutsamer als für Erwachsene. Sie können beispielsweise ein gesprochenes Wort aus „Störsignalen“ viel schlechter herausfiltern. Diese Fähigkeit ist erst mit etwa zwölf bis 14 Jahren voll ausgebildet.

Bei bestehenden Bauten kann die Raumakustik nachträglich durch schallschluckende Maßnahmen verbessert werden. Für alle Neubauten sollte gute Raumakustik bereits Standard sein: Die „OIB Richtlinie Nr. 5: Schallschutz“, die auch den ­optimalen Bereich für die Nachhallzeit in Klassenräumen regelt, ist für alle Bundesländer ver­bindlich.

✔️ Auswirkungen schlechter Raumakustik

  • Das Zuhören wird erschwert.
  • Das Anweisungsverständnis und das Kurzeitgedächtnis leidet.
  • Der Unterricht wird häufiger durch Wiederholungen unterbrochen.
  • Es wird öfter ermahnt und zugleich fühlen sich Kinder öfter zu Unrecht für angeblich lärmendes Verhalten getadelt.
  • Die Lehrkräfte und auch die Kinder reden öfter mit erhobener Stimme und leiden dadurch häufiger unter Hals- und Stimmlippenproblemen.
  • Eine Atmosphäre der Unlust und Anspannung wird begünstigt und auch die Beziehungen zueinander werden weniger positiv beurteilt.
  • Die Mitschüler werden als lauter erlebt.
  • Geräusche wie Stühle rücken oder in der Schultasche kramen werden als unangenehmer wahrgenommen.