„Die AUVA ist unverzichtbar!“

Seit sechs Monaten ist DI Mario Watz nun Obmann der Allgemeinen Unfallversicherungs­anstalt. Im Interview mit Alle!Achtung! zieht er eine erste Zwischenbilanz und gibt einen Ausblick für die Zukunft.

Der neue Obmann setzt auf effiziente Strukturen. © R. Reichhart

ALLE!ACHTUNG!: Herr DI Watz, Sie haben am 1. April 2019 in der Umstrukturierungsphase der österreichischen Sozialversicherungen die Funktion des Verwaltungsratsvorsitzenden übernommen, am 1. Jänner dieses Jahres wurden Sie Obmann der AUVA. Wie beurteilen Sie die neue Struktur der österreichischen Sozialversicherung mit nunmehr fünf Trägern?
DI Watz: Diese Reform ist ein Großprojekt, dessen Erfolg sich in den kommenden Jahren zeigen wird. Die erste Bewährungsprobe wurde in der Corona-Krise bereits bestanden. Einmal mehr wurde deutlich, dass effiziente Strukturen entscheidend sind. Sie erhöhen die Leistungsfähigkeit der Sozialversicherung, ermöglichen die  optimale Versorgung unserer Versicherten und stellen einen verantwortungsvollen Umgang mit den finanziellen Mitteln sicher.

ALLE!ACHTUNG!: Einerseits konnte eine Auflösung der AUVA verhindert werden, andererseits wurden mehr als 500.000 Versicherte transferiert, in erster Linie an die neue Sozialversicherung der Selbständigen.
DI Watz: Mein Vorgänger als AUVA-Obmann, DDr. Anton Ofner, hat damals vehement um den Erhalt der AUVA gekämpft. Heute gilt mehr denn je: Nur eine starke AUVA kann durch umfassende Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, durch die bestmögliche Betreuung in unseren eigenen Unfallspitälern und Rehabzentren sowie durch finanzielle Entschädigungen die bestmögliche Versorgung aus einer Hand sicherstellen. Die AUVA mit ihren integrierten Leistungen ist somit unverzichtbar für die soziale Absicherung der Menschen in Österreich. 

Unter dem Gesichtspunkt des Drei-Sparten-Modells für Selbständige wurde die Unfallversicherung der Selbständigen an die SVS übergeben. Dabei wurde in enger Zusammenarbeit sichergestellt, dass für die Versicherten der Übergang reibungslos funktioniert. Innerhalb des neuen Dachverbandes der Sozialversicherungsträger gibt eine enge Zusammenarbeit der Träger, sowohl auf Ebene des Büros als auch im Bereich der Selbstverwaltung.   

ALLE!ACHTUNG!: Sie haben die AUVA zuvor als unverzichtbar bezeichnet. Gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitsunfälle im vergangenen Jahr erneut auf ein Rekordtief gesunken. Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, braucht man die AUVA dann noch?
DI Watz: Ja, selbstverständlich. Es wird vermutlich auch niemand die Feuerwehr abschaffen wollen, nur weil es im Moment zum Glück seltener brennt. Etwas weniger plakativ ausgedrückt: Nur durch die konsequente Weiterentwicklung unserer Präventionsleistungen ist es gelungen, die Zahl der Arbeitsunfälle seit Jahren zu reduzieren. Das ist aber kein Grund sich zurückzulehnen. Wenn wir uns als Partner der Unternehmen positionieren und die völlig veränderten Arbeitswelten der Zukunft berücksichtigen, dann können wir diesen erfolgreichen Weg fortsetzen. Wir müssen daher unser Leistungsangebot über Medien zur Verfügung stellen, die jederzeit und ortsungebunden abrufbar sind. Die persönliche Betreuung wird trotz elektronischer Kommunikationsmöglichkeiten und Social Media aber nicht obsolet. Im Gegenteil - der nachhaltige Erfolg wird auf persönlichen Betreuungsaktivitäten und praxisorientierten Lösungen basieren.

Die Anstrengungen im Bereich der Prävention sind also erfolgreich – um hier aber noch besser zu werden, ist es mir als Unternehmer besonders wichtig meine Erfahrung aus der Praxis einzubringen. In unseren Unfallkrankenhäusern und Traumazentren erfolgt die medizinische Behandlung auf europäischem Spitzenniveau, unsere Rehabilitationszentren sind weit über die Grenzen Österreichs hinaus anerkannt. Und von den Ergebnissen unserer medizinischen Forschung profitieren unzählige Patientinnen und Patienten.

ALLE!ACHTUNG!: Heißt das, dass die AUVA bereits für die Zukunft gerüstet ist?
DI Watz: Als Sozialversicherungsträger für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sind wir unverzichtbar. Das heißt aber nicht, dass wir uns ruhig zurücklehnen können. Im Zuge der Reform der Sozialversicherungsträger haben wir bereits vor zwei Jahren ein Reformkonzept definiert und mit der Bundesregierung abgestimmt: Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass mein Ziel eine nachhaltige Reform im Sinne der Qualität für die Menschen und die Betriebe in ganz Österreich ist und kein undifferenziertes Sparprogramm. Erste Schritte wurden bereits erfolgreich umgesetzt beziehungsweise werden gerade verwirklicht: Abteilungen werden zusammengelegt, die Effizienz in der Verwaltung gesteigert. Gemäß gesetzlicher Vorgabe werden außerdem einzelne Bereiche in eine eigene Betriebsges.m.b.H. – die AUVB – ausgelagert. Wichtig ist, dass hinter diesen Maßnahmen klare Entwicklungskonzepte liegen, die in unserer Organisation qualitätsorientiert erstellt wurden.

Im Bereich der Krankenanstaltenkooperationen werden gemeinsam mit unseren regionalen Partnern in Salzburg und Kärnten die Vertragsgrundlagen erarbeitet und qualitätsgesichert. Damit ermöglichen wir sowohl in Klagenfurt als auch in Salzburg die Neuerrichtung modernster Traumazentren. In Wien ist es gelungen die langen Kooperationsbemühungen in einer Vereinbarung festzuschreiben und gemeinsam mit der Stadt Wien der Öffentlichkeit zu präsentieren.  Mit der Zusammenführung von Akutbehandlung und Rehabilitation wird in den nächsten Jahren mit dem neuen Trauma- und Rehabilitationszentrum Wien der erste Spitalskomplex in Österreich entstehen, der von der Akutbehandlung von Schwerstverletzten über die Frührehabilitation bis zur berufsbegleitenden Rehabilitation alles an einem Standort anbietet. 

ALLE!ACHTUNG!: Sämtliche Konsolidierungspläne wurden noch vor der Corona-Krise verabschiedet. Sind die Ziele unter dem Gesichtspunkt sinkender Einnahmen der Sozialversicherungsträger aus heutiger Sicht einzuhalten?
DI Watz: Sie haben recht, dass alle Sozialversicherungsträger – und damit natürlich auch die AUVA – 2020 mit geringeren Einnahmen rechnen müssen. Die Auswirkungen lassen sich aber noch nicht vollständig abschätzen. Umso wichtiger ist es jedoch gerade in dieser Zeit, den begonnen Reformprozess nachhaltig weiterzuführen und so die Effizienz des Systems zu steigern. Die begonnenen Projekte basieren auf einfachen Grundsätzen: durch Kooperationen und Zusammenführungen sowie durch Fokussierung auf unsere Kernaufgaben die Qualität der Leistungen zumindest zu erhalten. Auch wenn die Rahmenbedingungen derzeit zweifellos herausfordernd sind.

ALLE!ACHTUNG!: Welche weiteren Pläne wollen Sie in der nächsten Zeit in der AUVA verwirklichen?
DI Watz: Da die AUVA bei der Erfüllung ihrer Aufgaben auf die Kompetenzen und Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen ist, liegt mir das Thema Ausbildung besonders am Herzen. Aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen als Architekt und Baumeister ist mir insbesondere die innerbetriebliche Ausbildung von jungen Menschen zu Fachkräften wichtig. Mein erstes Ziel in diesem Bereich ist es, die Zahl der AUVA-Lehrlinge im Jahr 2021 zu verdoppeln, um unserer Jugend neue Ausbildungswege in einem Sozialversicherungsträger anbieten zu können. Als Unternehmer ist es mir außerdem ein besonderes Anliegen die AUVA künftig noch stärker als Partner der Unternehmen zu etablieren.

ALLE!ACHTUNG!: Herr Obmann, wir danken für das Gespräch!

Das Gespräch mit DI Mario Watz führte Wolfgang Hawlik