Digitalisierung und Innovation als Wettbewerbsvorteil?

Auch in KMU ist sie angekommen: die Veränderung der Arbeitswelt. Immer schneller, immer Neues, steigender Druck. Drei Unternehmen zeigen, wie sie ihre Chancen nützen und sich mit besonderen Maßnahmen rüsten, um ihren Platz am Markt zu sichern.

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Zunehmende Arbeits- und  Leistungsverdichtung, immer und überall arbeiten, offene Bürostrukturen für rasche Kommunikation, der Ruf nach neuen Techniken und Führungsstilen, Fachkräftemangel, immer direkt am Kunden und vieles mehr. Wie kann man hier als kleines oder mittelständiges Unternehmen mithalten und es gewinnbringend verändern? Dazu befragte die Organisationspsychologin Mag. Ulrike Amon-Glassl drei Unternehmer aus den Branchen Gesundheit, Dienstleistung und Produktion/Handel. Hier sind deren innovative Lösungen:

Burger Optik

Martin Burger, MSc, aus Wien, Inhaber des seit 1968 bestehenden Familienbetriebes Burger Optik GmbH, bemerkte den Branchendruck am Ausbleiben von Routinetätigkeiten wie dem Verkauf einfacher Lesebrillen. „Heute muss alles individuell gefertigt werden“, betont er. „Einerseits macht das die Arbeit spannend, andererseits erleichtern Routinen den Arbeitsalltag und erzeugen Deckungsbeiträge, die jetzt wegfallen.“
Deshalb setzt Burger gezielt auf Individualität: „Wir hören dem Kunden genau zu, denn erst aus dem fachkundigen Nachfragen ergeben sich die richtigen Lösungsmöglichkeiten.“ Zum Bei-­­­­­­­­spiel eine Brille, die genau zum Arbeitsplatz passt: „Eine Brille für den Laptop ist anders als eine für den Stand-PC. Die gerne propagierte Gleitsichtbrille, die alles kann, ist ein Kompromiss wie ein Allwetter-Autoreifen“, weiß der Experte.

Durch sein Studium zum Optometristen besonders gut ausgebildet, um spezielle Sehprobleme zu lösen, setzt er auch auf Eigenentwicklungen: Mit individuellen Sehprofilen sorgt er für präzise Sicht bei entspannter Körperhaltung. Um zum Beispiel genau dort scharf zu sehen, wo man hinschaut, wird mithilfe eines selbst entwickelten Programmes bestimmt, auf welcher Nasenposition die Brille sitzen soll im Vergleich zum Sitz der Messbrille und an welcher Stelle man beim Brillenglas durchschaut. Das macht Abweichungen bis zu einer Dioptrie aus und man vermeidet Nacken- und Schulterbeschwerden durch Fehlhaltungen: Sieht man unscharf, beugt man zum Beispiel den Nacken nach hinten, um am unteren Brillenrand durchzuschauen, oder streckt den Kopf vor zum Bildschirm.

Um als Dienstleister und Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, bietet der Optikerbetrieb stets als Erster neue Produkte vom internationalen Markt an. Die Beschäftigten profitieren von laufenden Schulungen und von der seit den 90er-Jahren aufgebauten elektronischen Wissensdatenbank. Aus der laufend modernisierten Kundendatenbank heraus werden Rohmaterialien bestellt, Einkäufe gesteuert, Statistiken gemacht und Marketingaktionen sowie Kunden betreut. So bleibt das Unternehmen flexibel und zukunftsfit!

wintergroup

Andrea und Franz Winter, Gründer und Geschäftsführer der „wintergroup“ in Hof am Leithagebirge, setzen auf Automatisierung und Umweltschutz, um ihre Vorreiterposition in der Branche zu behaupten und ihrem Slogan „heute bestellt und morgen geliefert“ gerecht zu werden: Stand am Beginn die Fertigung und Reparatur von Paletten, bietet Winter nun den gesamten Palettenkreislauf samt Transport, Qualitätskontrolle, Lagerung und Abrechnung an; Altgedientes wird zu Palettenmöbeln bzw. Hackschnitzeln verarbeitet. Diverse Zertifizierungen zeichnen das moderne Unternehmen aus, unter anderem wird ausschließlich Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern verwendet.

Es wird ständig investiert, etwa in moderne Bürosoftware. Das neu gebaute, große und offene Büro sorgt für bessere Kommunikation untereinander sowie mit Kunden, ein Kundenschauraum ist in Planung. Neue Maschinen und Fahrzeuge halten den CO2-Ausstoß möglichst gering. Auch entsteht gerade eine neue Halle für weitere Roboter zur automatischen Palettensortierung und -reparatur.

Was macht nun das Familienunternehmen Winter besonders attraktiv in Zeiten des Fachkräftemangels? „Die Arbeitnehmerschaft veränderte sich in den letzten drei bis vier Jahren, Vollzeitanstellungen stehen bei jüngeren Arbeitnehmern nicht mehr im Vordergrund“, weiß Andrea Winter. Bei ihrer sorgfältigen Personalauswahl setzt sie gerne auf Menschen aus der Region. „Man muss als Unternehmen schon etwas bieten: Gesundheit, Freizeit, Fortbildung, gutes Arbeitsklima, Familienfreundlichkeit, Wohlbefinden und verschiedene Möglichkeiten zur Pausengestaltung sind gefragt.“ Deshalb ist für die 160 Beschäftigten ein Sportbereich geplant und es gibt eine finanziell vom Unternehmen unterstützte gesunde Betriebsverköstigung, die derzeit probeweise im Büro läuft. Diese Abteilung erfreut sich auch an Gratiskaffee und Mineralwasser und die „Pizza- und Eistage“ kommen sehr gut an.

Die größte Geheimwaffe für die Zukunft der „wintergroup“ ist aber zweifelsohne deren Ideenreichtum: Um am Ball zu bleiben, sind hier die gesamte Familie wie auch die Beschäftigten zu Beiträgen eingeladen.

Personalbüro Szuchar

Roswitha Szuchar, Inhaberin des Wiener Personalbüros Szuchar, und ihr Partner Axel Salomon meistern den Branchendruck mit ihrer Kombination aus hochqualifiziertem Wissen, Digitalisierung und Beratungskompetenz in Lohnverrechnung und Personal- sowie Interimsmanagement. Lohnverrechnung ist eine heikle Sache und birgt enorme Risiken: „Es müssen monatlich über 170 verschiedene Arten von Kollektivverträgen für über 3.000 Dienstnehmer upgedatet und korrekt abgerechnet werden“, berichtet Szuchar. „Ein Fehler kann sehr teuer werden, die gesetzlichen Strafen sind oft sehr hoch.“ Da die verwendete Lohn-Software nicht immer rechtzeitig an gesetzliche Änderungen angepasst ist, programmierte Axel Salomon zwecks Risikominimierung eine Kollektivvertragsdatenbank. Nach sechs Jahren Aufbauarbeit wird jede kollektivvertragliche Änderung in die Datenbank eingepflegt: Ein Mitarbeiter erfasst die Daten, ein anderer kontrolliert sie. Anschließend stehen sie allen neun Beschäftigten als Schnittstelle zur Verfügung. Mit einer eigens konzipierten Anwendung können Kundendaten auch direkt die in die Lohnverrechnung eingespielt werden. „Minimiertes Fehlerrisiko und rasche Abwicklung – damit gewinnen wir das Kundenvertrauen“, weiß die Unternehmerin Szuchar. „Dazu punkten wir mit hoher Beratungskompetenz“, ergänzt Salomon. „Gut ausgebildete Lohnverrechner müssen auch darüber verfügen. Mit Verständnis für die Klientenbelange schaffen wir ein Klima von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.“

Als Arbeitgeber attraktiv ist das zukunftsorientierte Unternehmen durch sein familiäres Betriebsklima, laufende Weiterbildung, Gratisgetränke und einen vergünstigten Mittagstisch. Ein besonderer Anreiz ist die Umsatzbeteiligung: Werden die vereinbarten Ziele überschritten, gibt es Prämien.
Fazit: In heimischen Unternehmen steckt viel Innovationsgeist, der die Vorteile der Digitalisierung nützt. Das Geheimrezept: immer am Ball bleiben.

Autorin: Mag. Ulrike Amon-Glassl
VERMÖGEN-MENSCH/INDIVIDUAL COACHING GmbH
ulrike.amon-glassl(at)vermögen-mensch.at
www.vermögen-mensch.at