E- oder nicht E-(Biken) – das ist die Frage

Durch die Natur radeln ist gesund, auch dann, wenn die eigene Körperkraft ein bisschen batterieunterstützt wird. Vorsicht ist aber

geboten: Selbstüberschätzung und fehlende Routine führen allzu oft auf direktem Wege in die Krankenhaus-Notaufnahme.

Der Herbst lockt wieder viele Radler ins Freie. Wer einfache Sicherheitstipps beachtet, kann die Verletzungsgefahr gering halten. © amriphoto/iStock

Das E-Bike ist mit Sicherheit das Sportgerät der Stunde. Schon in den letzten Jahren entwickelten sich die Verkaufszahlen der batterieunterstützten Cross- und Mountainbikes im zweistelligen Prozentbereich, Covid-19 und das veränderte Freizeitverhalten ließen sie 2020 noch einmal explodieren.

Das ist aus gesundheitlicher Sicht erfreulich, zählt Radfahren an sich doch zu den gesündesten Ausdauersportarten überhaupt. „Durchblutung und Sauerstoffversorgung werden auf dem Rad verbessert; der Fettstoffwechsel dreht hoch; die Haltung wird gestärkt; die Gelenke erhalten Arthrose-Schutz, der Stress wird reduziert, die Denkleistung gesteigert, sogar das Alzheimer-Risiko sinkt bei regelmäßigem Radeln“, bringt es der deutsche Fitnessexperte Ingo Froböse in einem Focus-Interview auf den Punkt. Das Magazin betitelte ihre Cover-Geschichte mit „Die Glücksmaschine“ und erklärte, warum Radfahren „gesünder ist als Medizin“.

Voraussetzung für ein gesundes Radfahren ist eine ergonomisch richtige Haltung und eine nicht zu verausgabende Fahrweise mit eher niedrigem Gang und eher hoher Trittfrequenz, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.

Vorsicht Sturzgefahr!

Besonders schön ist Radeln in der Natur, im Wald, am Berg. Rund 150.000 Österreicher tun dies regelmäßig. Ihr Verletzungsrisiko ist gegenüber den Straßenfahrern deutlich erhöht. Und es steigt mit der zunehmenden Verbreitung der E-Bikes noch einmal rapide an. E-Mountainbiker verletzen sich nicht nur häufiger, sondern auch die Schwere ihrer Verletzungen ist deutlich höher. Das ist einerseits den höheren Geschwindigkeiten geschuldet, andererseits dem höheren Ge­­wicht der Maschinen, das das E-Bike vor allem bergab schwieriger steuern lässt. Zudem sind E-Bike-Fahrer im Durchschnitt älter, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Geschicklichkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und Gebrechlichkeit.

Helm-Disziplin

Laut AGA, der europäischen Fachgesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie, sind fast drei Viertel aller Verletzungen von Mountainbike-Fahrern auf einen Sturz nach vorne zurückzuführen (73 Prozent). Unfälle zur Seite (24,7 Prozent) oder rückwärts (1,8 Prozent) sind deutlich seltener. Der Sturz nach vorne ist nicht nur der häufigste, sondern auch der gefährlichste Sturz, 84 Prozent der Knochenbrüche und über 90 Prozent der Gehirnerschütterungen passieren dabei.

Apropos Gehirnerschütterung: Es ist eigentlich paradox, trotz des höheren Tempos und des erhöhten Unfallrisikos sind E-Mountainbiker bezüglich des Tragens eines Schutzhelms deutlich undisziplinierter als „reguläre“ Mountainbiker. Laut Unfallstatistiken aus Spitälern trugen 87 Prozent der regulären Mountainbiker zum Unfallzeitpunkt einen Helm, bei E-Bikern waren es nur knapp 70 Prozent.

Tipps

  • Das Erlernen jeder neuen Sportart benötigt eine Eingewöhnungszeit – auch beim E-Biken
  • Achten Sie auf den Unterschied zu gewöhnlichen Fahrrädern, wie etwa längere Bremswege bei höherer Durchschnittsgeschwindigkeit
  • Auch beim E-Bike gilt: Helm-Disziplin