Kleiner Aufsatz mit großer Wirkung

Die enorme Staubbelastung lässt sich beim Hantieren mit Sackware wie zum Beispiel Nivelliermassen, Fliesenkleber oder Blitzzement mithilfe des sogenannten „Dust­monkeys“ auf ein Minimum reduzieren.

Mit diesem Aufsatz wird beim Arbeiten mit Ausgleichsmasse die hohe Staub­entwicklung einfach vermieden. © A. Seitz

Mer Familienbetrieb Parkett-Profi Brandner im 21. Wiener Gemeindebezirk ist unter anderem auf die Sanierung von Parkettböden spezialisiert. Viel Wert wird auf Qualität in Hinblick auf verwendete Materialien gelegt. Doch auch die Gesundheit und die Vermeidung von gesundheitlichen Belastungen sind den Brandners ein großes Anliegen. Der Kleinbetrieb wird von Gabriele, Jonny und Sohn Michael Brandner geführt. Die beiden Unternehmer sind bezüglich Staubbelastung gebrannte Kinder, denn der gelernte Bäcker Jonny musste wegen einer Roggenmehlallergie seinen Beruf aufgeben und sattelte auf die Verlegung von Böden aller Art um. Er stellte fest, dass auch in dieser Berufssparte Staub eine große Belastung darstellt: „Beim Arbeiten mit Ausgleichsmasse waren wir immer wieder mit dem gleichen Problem konfrontiert. Es staubt beim Einfüllen, wenn der Arbeitsstoff aus dem Sack in den Behälter geschüttet wird, und es staubt nochmals, wenn das Material mit Wasser verrührt wird.“ Einerseits wollte der Unternehmer sich und seinen Sohn, der 1999 im elterlichen Betrieb zu arbeiten begann, vor einer Stauballergie bewahren und den Körper vor Belastungen durch Stäube schützen. Andererseits hatten auch die Auftraggeber wenig Interesse daran, dass sich in ihren oft komplett eingerichteten Wohnungen massiv Staub verbreitet und die Einrichtung stark verschmutzt. Somit kam es zu einer weiteren gesundheitlichen Beanspruchung, denn es wurde der Rücken belastet, da die Abmischung an einem anderen Ort durchgeführt werden musste, um danach die schweren Eimer wieder zum Arbeitsplatz zu tragen. Abhilfe musste möglichst rasch geschaffen werden. Jonny und Michael Brandner fanden in nur kurzer Zeit eine praktikable Lösung.
Idee zur Staubvermeidung

Der erste Prototyp des heutigen „Dustmonkey“ war ein aus Aluminium gefrästes Einzelstück, eine einfache Schlauchhalterung, die an die handelsüblichen Mischkübel gesteckt wurde. Das Prinzip ist so einfach, wie es klingt. Lediglich durch Einschalten eines Staubsaugers während des Befüllens entsteht durch die Positionierung des Dustmonkeys ein Unterdruck im Mischeimer, der keinen Staub über den Eimerrand treten lässt, sodass sich auch infolge kein Staub im Raum ausbreiten kann. Überraschend dabei ist, dass bei diesem Vorgang der Werkstoff selbst vom Staubsauger nicht eingesaugt wird. Was bereits beim Zuschauen augenfällig ist, wurde durch eine entsprechende Versuchsanordnung mit den heute in Serie gefertigten Dustmonkey aus Kunststoff bei Verarbeitung einer handelsüblichen Nivelliermasse von der ÖSBS (Staub- und Silikosebekämpfungsstelle) bestätigt. Die Prüfstelle für Staubschutzeinrichtungen, Staubschutzmaßnahmen und gesundheitsgefährdende Stoffe ermittelte bei den Arbeitsschritten Sackentleerung und Anmischen durch Absaugung einen Mittelwert des einatembaren Staubs (E-Staub) von 0,2 mg/m³, bei alveolengängigem Staub (A-Staub) lag der Wert bei unter 0,1 mg/m³. Die Prüfstelle nennt im Prüfbericht einen Wert, der als nahezu normale Innenraumkonzentration bezeichnet wird. Demgegenüber erreichten die Staubkonzentrationen ohne Absaugung 8,0 mg/m³ E-Staub und 3,5 mg/m³ A-Staub. Der Prüfer der ÖSBS konstatierte zudem, dass sich die Staubkonzentration nach Abschluss der Arbeiten nur langsam reduziert. Selbst fünf Minuten nach Beendigung der Tätigkeit betrug die E-Staubkonzentration noch 5 mg/m³, jene des A-Staubes lag bei 2,7 mg/m³. „Aufgrund des Schutzes der Arbeitnehmer vor gesundheitsgefährdenden Schwebestaubes wird geraten, das relativ einfach anzuwendende Verfahren mit Absaugung zu verwenden“, heißt es im Prüfbericht der ÖSBS.

Ein weiterer gesundheitlicher Aspekt in Hinblick auf Prävention ist der Umstand, dass durch die Staubvermeidung beim Anfüllen lange Transportwege mit schweren Säcken verhindert werden können, da das Abmischen direkt vor Ort erfolgen kann. Dies bedeutet nicht nur die Vermeidung von gesundheitsschädlichen Stäuben, sondern schont auch den Rücken des Verarbeiters. Der Dustmonkey wurde 2018 bei der Goldenen Securitas, einem Preis für Sicherheits- und Gesundheitsschutz, den die AUVA und die Wirtschaftskammer Österreich für herausragende Maßnahmen, die der Prävention dienen, vergibt, mit einer Nominierung in der Kategorie „Sicher und gesund arbeiten“ belohnt. (as)

✓ Wer steckt hinter „Dustmonkey“?

Der Dustmonkey wurde vom Unternehmer Jonny Brandner und seinem Sohn Michael erfunden, entwickelt und produziert, um Staub beim Entleeren und Abmischen von Nivelliermasse entgegenzuwirken. Der Dustmonkey ist eine Schlauchhalterung für den Staubsaugerschlauch auf Mischeimern, durch dessen Positionierung ein Unterdruck entsteht. Dabei kann Staub nicht mehr über den Rand austreten. Nach Messungen der Österreichischen Staub- und Silikosebekämpfungsstelle wird die Anwendung aufgrund ihrer effektiven Wirkung empfohlen.

Vorteile auf einen Blick

  • Beim Abmischen jeglicher Sackware wie Spachtel- und Nivelliermassen oder Fliesenklebern entsteht kein Staub mehr.
  • Abmischen in bewohnten Räumen ist ohne Probleme möglich.
  • Das Prinzip ist einfach zu handhaben, kostengünstig und extrem effizient.
  • Der Prozess des Abmischens ist für eine Person möglich, das spart Personalressourcen auf der Baustelle.