Neue Grenzwerte für krebserzeugende Arbeitsstoffe

Anfang September 2020 wurden für neun krebserzeugende Arbeitsstoffe neue Arbeitsplatzgrenzwerte festgelegt. Damit hat Österreich die entsprechende EU-Richtlinie aus dem Jahr 2017 nun in nationales Recht umgesetzt. Gleichzeitig sind Änderungen in der „Verordnung biologische Arbeitsstoffe“ und der „Verordnung über die Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz“ in

Kraft getreten.

© Kadmy/AdobeStock

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Mehr Informationen zum AUVA-Präventionsschwerpunkt 2018 – 2020 rund um krebserzeugende Arbeitsstoffe finden Sie unter www.auva.at/krebsgefahr

Mit der Grenzwerteverordnung 2020 (BGBl. II Nr. 382/2020) wurde die EU-Richtlinie 2017/2398 zur Änderung der Richtlinie 2004/37/EG über den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Karzinogene oder Mutagene bei der Arbeit in österreichisches Recht umgesetzt. Die Richtlinie hat für insgesamt 14 krebserzeugende Arbeitsstoffe EU-weite Mindeststandards für Arbeitsplatzgrenzwerte festgelegt, bei neun Arbeitsstoffen bestand auch in Österreich Handlungsbedarf zur Absenkung oder Anpassung, und zwar bei: Chrom(VI)-Verbindungen, bestimmten feuerfesten Keramikfasern, Quarzfeinstaub, Vinylchlorid (R1140), Ethylenoxid, 1,2-Epoxypropan, 1,3-Butadien, Hydrazin und Bromethen. Diese Arbeitsstoffe gelten als eindeutig krebserzeugend und teilweise auch als erbgutverändernd. Bei der Umsetzung orientierte man sich überwiegend an den Mindestvorgaben der EU-Richtlinie, sodass einzelne TRK-Werte (Technische Richtkonzentration) weiterhin mit einem hohen statistischen Krebsrisiko – bezogen auf die Lebensarbeitszeit – verbunden sind. Umso mehr muss in der Praxis das im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz verankerte Minimierungsgebot beachtet werden. Die Einführung eines risikobasierten Grenzwerte- und Maßnahmenkonzeptes für krebserzeugende Arbeitsstoffe, ähnlich jenem der TRGS 910 in Deutschland, ist aus Sicht der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz und zur Hintanhaltung von arbeitsbedingten Krebserkrankungen auch in Österreich voranzutreiben. Neben Änderungen in der Grenzwerteverordnung wurde mit diesem Bundesgesetzblatt auch die VGÜ 2017 sowie die VbA angepasst. Hier ein Überblick über die wichtigsten Änderungen:

Grenzwerteverordnung(GKV 2020)

Quarzfeinstaub gilt nun als eindeutig krebserzeugender Arbeitsstoff mit einem neuen MAK-Wert (Maximale Arbeitsplatzkonzentration) von 0,05 mg/m³ (A) als Tagesmittelwert. Für feuerfeste Keramikfasern, als Untergruppe zu den künstlichen Mineralfasern, wurde ein neuer Arbeitsplatzgrenzwert in die GKV aufgenommen. Beide Arbeitsstoffe kommen beispielsweise bei Bautätigkeiten oder bei Abbruch- oder Sanierungsarbeiten vor. Zudem wurde für Quarzfeinstaub unter bestimmten Gegebenheiten eine Ausnahme aus dem Umluftverbot bestimmt, welche bisher nur für Formaldehyd galt. Der Arbeitsplatzgrenzwert für Holzstäube mit einem Tagesmittelwert von 2 mg/m³ als TRK-Wert (Technische Richtkonzentration) bleibt grundsätzlich bestehen. Höhere Grenzwerte sind weiterhin nur bei Arbeiten an bestimmten Maschinen und unter bestimmten Bedingungen zulässig: Für ausschließlich Weichholzstaub (Nadelhölzer) gilt ein Grenzwert von 5 mg/m³, tritt (auch) Hartholzstaub (Laubhölzer) auf, gelten 3 mg/m³ bis 17. Jänner 2023 (nach dieser Übergangsfrist gelten 2 mg/m³). Wie bisher gilt für Arbeiten an diesen Holzbearbeitungsmaschinen sowohl das Minimierungsgebot als auch die Verpflichtung zum Tragen von Atemschutz.
Zu einer deutlichen Absenkung des TRK-Wertes kam es auch bei Chrom(VI)-Verbindungen. So gilt mit der GKV 2020 grundsätzlich ein Tagesmittelwert von 0,01 mg/m³ (CrO3) und ein Kurzzeitwert von 0,04 mg/m³ (CrO3) mit Übergangswerten bis 17.01.2025.

Verordnung über die Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz (VGÜ)

Mit dem neuen Grenzwert für Quarzfeinstaub wurde auch die Untersuchungsverpflichtung in der VGÜ diesbezüglich angepasst. Für Quarzfeinstaub – obwohl dieser nun als eindeutig krebserzeugend eingestuft ist – sind Eignungs- und Folgeuntersuchungen im Sinne des § 49 Abs. 1 ASchG nicht verpflichtend, wenn

  • die Exposition im Durchschnitt einer Arbeitswoche nicht länger als 1 Stunde pro Arbeitstag beträgt ODER
  • 1. die Einhaltung des MAK-Wertes durch eine repräsentative Messung oder durch Vergleichsdaten nachgewiesen wird UND 2. die Exposition durch Schutzmaßnahmen möglichst niedrig gehalten wird.

Verordnung biologischer Arbeitsstoffe (VbA)

In der VbA wurden die europarechtliche Einstufung von SARS-CoV-2 in Risikogruppe 3 umgesetzt und Schutzmaßnahmen bei Laborarbeiten an dem Virus geregelt.

Landwirtschaftliche Grenzwerteverordnung (L-GKV)

Am 3. September 2020 trat mit BGBl. II Nr. 381/2020 auch die Landwirtschaftliche Grenzwerteverordnung (L-GKV) in Kraft. Sie entspricht inhaltlich der GKV und ersetzt die bisherigen Verordnungen der einzelnen Länder zu gesundheitsschädigenden Arbeitsstoffen. Somit gelten nun für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft in allen Bundesländern Österreichs einheitliche Grenzwerte.
Die Details der Änderungen sind den entsprechenden Bundesgesetzblättern – abrufbar unter www.ris.bka.gv.at – zu entnehmen. (hs)

✔️ TRK- oder MAK-Werte

TRK-Werte (Technische Richtkonzentration) oder MAK-Werte (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) gelten für gefährliche Arbeitsstoffe als Gas, Dampf oder Schwebstoff in der Luft am Arbeitsplatz. MAK-Werte sind Schwellenwerte, bei deren Einhaltung gesundheitliche Beeinträchtigungen im Allgemeinen nicht befürchtet werden müssen. Ist für einen gefährlichen Arbeitsstoff kein solcher Schwellenwert ableitbar, muss ein TRK-Wert festgesetzt werden. Dieser richtet sich rein nach der technischen Machbarkeit und erlaubt keinerlei Aussage darüber, ob bzw. wie wahrscheinlich eine gesundheitliche Schädigung auch bei Einhaltung eintritt.

Quelle: www.arbeitsinspektion.gv.at; Zugriff 5. 11. 2020