Oft ist es nur ein Moment

Bei ihren Präventionsanstrengungen setzt die AUVA alles daran, schwere oder gar tödliche Arbeitsunfälle zu verhindern. Leider gelingt das nicht immer. Oft ist es nur ein Moment der Unachtsamkeit, der fatale Auswirkungen hat.

Hans arbeitete gern als Dachdecker und Spengler, schwindelfrei war er sowieso und mit seiner bald 30-jährigen Erfahrung konnte auch nicht so bald einer mithalten. Ein paar Ausbesserungsarbeiten standen am Nachmittag des 30. Juli 2019 noch an, das zwei­stöckige Wohnhaus war ein wenig in die Jahre gekommen.

Hans lehnte seine Aluleiter an die Dachrinne, nur ein paar Schindeln wollte er noch tauschen.

Die Aluleiter band er mit einem Gurt an die Dachrinne und stellte die erste Dachleiter an die Aluleiter.

Auf diese steckte er dann noch eine zweite Dachleiter.

Es müsste halten, dachte er – und es hielt nicht. „Die Dachleitern wurden jedoch nicht gesichert oder anderweitig befestigt“, wird später im Polizeibericht vermerkt sein. Und dass die Leitern aus unbekannter Ursache ins Rutschen geraten seien.

Hans verstarb sofort an der Unfallstelle, der Arzt stellte als Todesursache eine Schädelbasisfraktur und einen Genickbruch fest.

Jährlich verunfallen an die dreitausend Arbeitnehmer mit Leitern und für ein bis drei Männer (oder ganz selten Frauen) endet so ein Unfall tödlich. Aber auch Fersenbeinbrüche – und die erleidet man nicht selten beidseitig – können nach Stürzen von einer Leiter schmerzhaft und langwierig im Heilungsprozess sein. Trotz Lockdown wurden der AUVA auch bis Mitte September 2020 über 1.500 Leiterunfälle gemeldet – und wieder war ein tödlicher Arbeitsunfall dabei. (bm)