Sicheres Arbeiten mit Maschinen

Noch immer ereignen sich viele Arbeitsunfälle bei der Bedienung von Maschinen aller Art. Diese Rubrik nimmt die zwölf Themen des Monatskalenders zum Anlass, um auf einzelne Gefahrensituationen näher hinzuweisen und die Arbeitswelt sicherer zu gestalten. Im September stehen Spindelpressen im Mittelpunkt.

Kalenderblatt September 2020
Arbeiten mit Spindelpressen

Spindelpressen zählen zu jener Art von Pressen, die auch heute noch in metallverarbeitenden Betrieben anzutreffen sind. Bei der Spindelpresse handelt es sich um eine mechanische Presse, die eine Drehbewegung in eine senkrecht wirkende translatorische Bewegung umwandelt. Durch dieses Funktionsprinzip werden hohe Druckkräfte erzielt. Die häufigste Bauform der Spindelpresse ist die Reibradspindelpresse. Die Hauptbauteile dieser Maschinen sind das Pressengestell, der Pressenstempel, der Pressentisch, die elektrische Steuerungseinheit sowie die ­Bedieneinrichtung.
Aufgrund der mit dieser Presse durchzuführenden Tätigkeiten und des dafür erforderlichen Werkzeuges besteht eine erhöhte Unfallgefahr, die durch folgende Gefährdungen und Belastungen hervorgerufen wird:

  • Quetschstelle zwischen Ober- und Unterwerkzeug
  • Sekundärquetschstelle zwischen den Werkzeugteilen und deren Aufspannung
  • Schnittgefahr an den Werkstücken
  • Zwangshaltung beim Stehen oder Sitzen
  • Verwendung von Gefahrstoffen wie Ölen und anderen Schmiermitteln

Daher sind folgende Schutz- bzw. Sicherungsmaßnahmen erforderlich:

  • Not-Halt
  • Schwungradabsicherung gegen Herabfallen
  • Gesicherte Einzelhub-/Nachschlagsicherung: Diese Einrichtung stellt sicher, dass unabhängig davon, wie oft oder wie lange die Auslöseeinrichtung betätigt wurde, nur ein Hub durchgeführt wird. Jede Presse benötigt diese Einrichtung, wenn sie im Einzelhub betrieben wird.
  • Durch die geschlossene Konstruktion des Werkzeuges wird das Eingreifen zwischen Ober- und Unterwerkzeug verhindert. So kann es zu keinen Quetsch- und Scherstellen kommen.
  • Niedriger Hub: Damit ist eine Hubhöhe von maximal 6 mm zwischen oberem und unterem Totpunkt gemeint. Die Hubhöhe ist unabhängig von der Materialstärke.
  • Zweihandschaltung: Nur durch das Drücken beider Schalter innerhalb von 0,5 Sekunden wird der Hub ausgelöst. Die Zweihandschaltung muss betätigt bleiben, bis keine Gefährdung mehr möglich ist, das heißt, bis das Werkzeug geschlossen ist.
  • Beweglich trennende Schutzeinrichtung mit Verriegelung: Alle anderen Seiten sind gegen Eingreifen in den Gefahrenbereich gesichert.
  • Lichtvorhang an der Bedienerseite
  • Langsame Schließgeschwindigkeit ≤10 mm/s mit Verwendung eines Fußsicherheitsschalters: Das Pedal ist ein Dreipositionsschalter (0 – 1 – 0) und dient der Steuerung gefährlicher Bewegungen. In Stellung 0 erfolgt keine Bewegung des Pressbalkens bzw. wird diese unmittelbar gestoppt. Nur in Stellung 1 (Mittelstellung) wird die Bewegung des Pressbalkens aktiviert. Damit wird sichergestellt, dass je nach Reaktion des Bedieners – Loslassen oder Durchtreten – die gefährliche Bewegung sofort gestoppt wird. Ein erneuter Start der Maschine ist nur nach Loslassen des Fußschalters möglich.

Gesetzliche Regelungen und Prüfpflicht

Neben diesen Schutzmaßnahmen besteht für jugendliche Arbeitnehmer ein Beschäftigungsverbot bzw. eine Beschränkung bei der Verwendung von Spindelpressen, die in der KJBG-VO (Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz) enthalten ist.

Darüber hinaus besteht bei Spindelpressen eine wiederkehrende Prüfpflicht gemäß den Anforderungen des § 8 der Arbeitsmittelverordnung (AM-VO). Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, eine Überprüfung der Presse einmal pro Kalenderjahr, längstens jedoch im Abstand von 15 Monaten, zu veranlassen. Diese wiederkehrende Überprüfung kann durch Ziviltechniker im Rahmen ihrer Befugnisse, Ingenieurbüros, akkreditierte Prüfstellen oder fachkundige Personen durchgeführt werden. Bei der Überprüfung durch fachkundige Personen können auch interne Betriebsangehörige für die Prüfung herangezogen werden. Für diese wiederkehrende Prüfung ist vom Prüfer auch ein entsprechender Prüfbefund zu erstellen. Der Prüfbefund muss folgende Mindestinhalte beinhalten: Name des Prüfers, Prüfdatum, Überprüfung der Auslöseeinrichtung (keine Selbsthaltung bei Hebelbedienung!), elektrische Anschlüsse, Sichtkontrolle auf offensichtliche Mängel und das Ergebnis der Prüfung.