Sorgsamkeit auf gesunde Hände

Händewaschen ist eine wirksame Maßnahme zur weitgehenden Keimreduktion. Nur wo das nicht möglich ist oder in speziellen Szenarien ist eine sehr gezielt eingesetzte Händedesinfektion angezeigt. In jedem Fall sind begleitende Hautschutzmaßnahmen anzuraten.

Begleitende Haut­pflegemaßnahmen sind unumgänglich, um das Austrocknen der Haut und Folgeschäden zu vermeiden. © sewcream/AdobeStock

Die Covid-19-Pandemie hat uns eine ebenso einfache wie wirksame Hygienemaßnahme stärker in unser Bewusstsein gebracht, als das Kampagnen in den letzten Jahren gelungen wäre: das Händewaschen. „Händewaschen ist eine wirksame Schutzmaßnahme gegen eine Covid-19-Infektion – aber nicht nur dagegen“, sagt Dr. Roswitha Hosemann, medizinische Fachkoordinatorin Haut der AUVA. Es sei daher „jetzt ist ein guter Zeitpunkt, das gestiegene Bewusstsein zu nutzen, um nachhaltige Verhaltensänderungen bei der Hygiene zu erreichen“. Händewaschen sei in jedem Fall die erste Option als wirksamste Maßnahme zur weitgehenden Keimreduktion, nur wo das nicht möglich sei oder die Umstände einen ganz besonderen Schutz erfordern würden – etwa im Gesundheitsbereich –, müssen zusätzlich Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen.
Für Hosemann ist ein ganz zentraler Punkt beim Händewaschen, „der leider manchmal ein bisschen untergeht“, die Dauer: 20 bis 30 Sekunden sind unbedingt notwendig, um die Keime zu entfernen. Auch müssen unbedingt Seife oder Waschmittel verwendet werden, da viele der Keime eine Polysaccharid-Fettschicht haben und damit sehr gut an der physiologischen Hautbarriere haften. Die Seifen sollten ph-neutral und mild sein, spezielle antibakterielle Zusätze sind ebenso nicht erforderlich wie die Verwendung medizinischer Seifen. Wichtig sind die Tenside, die die Hülle des Virus angreifen und damit unschädlich machen.

Es gibt zahlreiche wissenschaftlich abgesicherte Untersuchungen zum Händewaschen, wonach die Keimbesiedelung und Keimübertragungen bei Infektionen, zum Beispiel bei Darmerkrankungen, um bis zur Hälfte reduziert werden.

Bei der konsequenten Anwendung des regelmäßigen Händewaschens gäbe es vor allem auf betrieblicher Ebene noch viel „Optimierungsbedarf“, wie es Hosemann zurückhaltend formuliert: „In Schulen zum Beispiel wird das Händewaschen dank pädagogischer Unterstützung ge­­meinsam sehr gut umgesetzt. In den Betrieben werden die Mitarbeiter diesbezüglich unterwiesen, aber es gibt natürlich keine Kontrolle.“
Sollte Händewaschen nicht möglich sein, oder bei hohem Infektionsrisiko, etwa im akuten Verdachts- oder Erkrankungsfall, sollte zusätzlich ein Desinfektionsmittel verwendet werden, aber sehr gezielt: „Natürlich besteht schon das Risiko, dass ich mit dem unkontrollierten, übermäßigen Desinfektionsmittelgebrauch auch die physiologische Keimflora zerstöre, die ich für mein Immunsystem brauche. Das heißt, eine ungezielte und ungerichtete Desinfektionsmittelverwendung birgt auch Gefahren.“

Laut WHO gibt es zwei Grundrezepturen für Desinfektionsmittel: entweder Propanol oder Ethanol in Kombination mit Wasserstoffperoxid (um Sporen in verwendeten Behältnissen abzutöten), Glycerin (als Feuchthaltemittel) und Wasser. Ethanol muss aber mindestens 60 Prozent haben. Alkohol aus der Hausbar, wie er vielerorts verwendet wurde, als Desinfektionsmittel knapp waren, ist jedenfalls nicht geeignet, weil er schlicht keine desinfizierende Wirkung hat.

Desinfektionsmittel, die im medizinischen Bereich verwendet werden oder in besonderen Risikosituationen notwendig sind, zum Beispiel wenn eine Corona-Erkrankung vorliegt, müssen geprüft und mit der Aufschrift „begrenzt viruzid“ versehen sein, mahnt Hosemann, andernfalls „wiege ich mich in falscher Sicherheit“.

Begleitender Hautschutz

Die Expertin geht davon aus, dass aufgrund der zusätzlichen Corona-Schutzmaßnahmen die berufsassoziierten Hauterkrankungen zunehmen werden: „Händewaschen und Händedesinfektion sind immer mit einer gewissen Entfettung und einer Beanspruchung der Haut verbunden. Wenn ein begleitender Hautschutz nicht fürsorglich gehandhabt wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Balance zwischen Belastung und Beanspruchung einfach kippt – auch für Personen, die bisher damit kein Problem hatten.“

Händewaschen trocknet also die Haut aus, indem die natürliche Fettschicht der Haut ausgewaschen wird. Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis, vor allem jene handelsüblichen, nicht medizinischen Desinfektionsmittel, die in erster Linie zur Oberflächendesinfektion eingesetzt werden, etwa in den Geschäften oder Restaurants, und die keine rückfettenden Substanzen beinhalten, trocknen die Haut noch mehr aus. Unsere Hautbarriere wird somit sehr stark belastet.

Die Austrocknung der Haut ist immer erster Schritt einer Kaskade von Hautschädigungen, in deren Folge es zu Irritationen kommen kann, zu Juckreiz und schlimmstenfalls – bei Kontakt mit sensibilisierenden Stoffen – auch zu Allergien. Begleitende Hautpflegemaßnahmen sind also unumgänglich, um Folgeschäden zu vermeiden. Präventiv wird empfohlen, zumindest einmal am Tag, am besten am Abend, eine rückfettende, regenerierende Handcreme zu verwenden.

Offensive Hände-Kampagne

Je besser die Hautbarriere, umso widerstandsfähiger ist die Haut. In diesem Sinn müsse „die Sorgsamkeit auf gesunde Hände einen höheren Stellenwert bekommen“, wünscht sich die AUVA-Arbeitsmedizinerin und Hautspezialistin und schlägt den Betrieben vor, „das gestiegene Bewusstsein zu nutzen und besonders jetzt im Herbst ganz offensiv auf die Sinnhaftigkeit von Hygiene, Hand- und Hautschutz im Allgemeinen und des Händewaschens im Speziellen hinzuweisen.“ Und den Mitarbeitern auch klar zu machen, dass diese ebenso einfache wie wirksame Hygieneschutzmaßnahme nicht nur in Corona-Pandemie-Zeiten Sinn ist, sondern auch vorbeugend gegen die Übertragung vieler anderer Infektionen hilft und auch im Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen erforderlich ist. Für die Experin ist die Message in puncto Händehygiene klar: „Ja, Hände und Haut werden stark beansprucht, aber ich kann sehr gezielt dagegenwirken, sodass der Nutzen auf jeden Fall überwiegt!“