#stayhome – Renaissance der Solidarität

Solidarität ist die Bereitschaft, soziale, zeitliche oder finanzielle Kosten auf sich zu nehmen, um jenen zu helfen, mit denen man sich in irgendeiner Form verbunden fühlt.

Wie Solidarität zustande kommt und wo ihre Grenzen sind, wird aktuell an der Universität Wien erforscht. © Ivan Bajic/iStock

So lautet die Definition von Univ.-Prof. Dr. Barbara Prainsack, Professorin für Vergleichende Politikfeldanalyse und Leiterin des Instituts für Politikwissenschaft an der Universität Wien, und der Medizinethikerin Prof. Dr. Alena Buyx an der TU München in ihrem gemeinsamen Buch zur Bedeutung und Ausgestaltung der Solidarität im Gesundheitsbereich und in der Biomedizin.

In der aktuellen Krise nehmen wir zum Beispiel durch das viel geforderte „Daheimbleiben“ die Kosten von langen Tagen in Kauf, in denen Homeoffice, familiäre Verpflichtungen und Kinderbetreuung zu Hause unter einen Hut gebracht werden müssen. „Ist es richtig, diese Praxis als gelebte Solidarität zu bezeichnen, wenn sie von Regierungen weltweit nicht nur gefordert, sondern mittlerweile auch durch Polizei­kontrollen gegen den Willen der Menschen durchgesetzt werden kann?“ – dieser Frage gehen Dr. Katharina Theres Paul und Univ.-Ass. Dr. Katharina Kieslich vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien nun nach.

Über die Pflicht hinaus

Die Forschungsgruppe „Zeitgenössiche Solidaritätsstudien“ (CeSCoS) am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien erforscht unter der Leitung von Prainsack Solidarität in Theorie und Praxis. Ein Blick auf die Handlungen, die Menschen derzeit abseits von den Regierungsmaßnahmen unternehmen, um andere zu schützen oder zu unterstützen, soll Aufschluss über die „neue Solidarität“ bringen. „Empirisch wissen wir darüber bisher noch sehr wenig, aber uns allen sind Beispiele aus den Medien und unserem Umfeld bekannt: Familien und Freunde sowie Pädagogen, die Kinder betreuen, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Nachbarn, die Einkaufshilfen organisieren, um älteren Mitmenschen das Daheimbleiben zu ermöglichen“, sagen Paul und Kieslich.

Gelebte Solidarität

All diese Beispiele können gelebte Solidaritätspraktiken sein. „Derzeit arbeiten wir in unserer Forschungsgruppe an einem Projekt, um durch virtuelle Interviews und Fokusgruppen in Österreich, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien herauszufinden, was Menschen über die Regierungsmaßnahmen hinaus tun, um anderen zu helfen“, erklären die Forscherinnen. Sie wollen herausfinden, wem gegenüber sich Personen solidarisch zeigen oder auch nicht, und welche Faktoren für dieses Verhalten entscheidend sind. Denn Solidarität verlangt auch, dass mit bestimmten Gruppen Gemeinsamkeiten erkannt werden, die dazu motivieren, solidarisch zu handeln.

Teilnehmer gesucht! Aktuell sucht die Forschungsgruppe Zeitgenössische Solidaritätsstudien (CeSCoS) Freiwillige für die Teilnahme an einer Online-Interview-Studie über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie.

Wenn Sie bereit sind teilzunehmen, senden Sie bitte eine E-Mail an solpan.study(at)gmail.com oder rufen Sie die Tel.: 0677 634 678 29 an.