Travel-Risk-Management: Adaption erforderlich

Die in den letzten Wochen aufrechten Reisewarnungen für die meisten Staaten rund um den Globus werden nun durch differenzierte Reisehinweise ersetzt. Diese sollen eine Hilfestellung geben, in welchem Land nicht nur ein Urlaub geplant werden kann, sondern auch, was bei Geschäftsreisen oder Entsendungen zu beachten ist.

Viele Betriebe müssen ihre Reisetätigkeit wieder aufnehmen und sich auf die neuen Vorgaben vorbereiten. © guvendemir/AdobeStock

In den meisten Ländern Europas scheint der Höhepunkt der Pandemiekurve überschritten zu sein. Ausgangsbeschränkungen sind gelockert, Grenzen geöffnet. Trotz zahlreicher verbleibender Herausforderungen ist die Wiederaufnahme von Geschäftsreisen für viele Unternehmen notwendig, um Verträge zu erfüllen und das Geschäft am Laufen zu halten. Aus einer Umfrage des deutschen Geschäftsreiseverbandes VDR geht hervor, dass am 25. März für 95,5 Prozent der befragten Unternehmen eine Wiederaufnahme der Reisetätigkeit nicht absehbar war. Knapp zwei Monate später, am 15. Mai, sieht das Bild schon anders aus: Nur mehr knapp 70 Prozent sind noch zurückhaltend in puncto Geschäftsreisen. Für 30 Prozent geht es wieder los – jedoch unter Beachtung vieler neuer Spielregeln, die sich laufend und rasch der jeweiligen Infektionslage im Land anpassen. Gleichzeitig mit dem Hochfahren der Reisetätigkeit hat sich auch der Fokus für das Travel-Risk-Management verschoben: 77 Prozent wollen dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken. Dazu ist eine Reihe von Fragen zu beantworten, die eine Anpassung der vorhanden Travel-Risk-Policy in Bezug auf COVID-19-Themen erforderlich machen (s. unten).

Reisende sind zum einen potenziell gefährdet, da sie sich vor Ort anstecken können, zum anderen sind sie aber auch potenziell gefährdend, da sie die Infektion in andere Länder bringen können. Diese Mechanismen behalten ihre Wirksamkeit auch nach einem Rückgang der Fallzahlen in Europa. Der Reiseweg wird grundsätzlich sicherer, je mehr Isolation er ermöglicht, das Auto ist daher aktuell den Flugreisen vorzuziehen.
Außerhalb von Europa werden manche Länder nach Öffnung der Grenzen eine meist 14-tägige Quarantäne nach Einreise verhängen oder auf einem „Fit to Fly“ oder „Corona-free“-Zertifikat bestehen. Später werden vermutlich auch Antikörper-Tests akzeptiert, die eine Immunität nach durchgemachter Infektion bestätigen.

Aktuelle Fragen rund um Geschäftsreisen

  • Ist dokumentiert, in welchen Fällen eine Gefährdungsbeurteilung erforderlich ist?
  • Ist eine Reisesicherheitsrichtlinie im Unternehmen vorhanden?
  • Gibt es neue Arbeitsschutzvorschriften im Beschäftigungsland?
    Und ist sichergestellt, dass diese auch angewendet werden?
  • Ist die notwendige persönliche Schutzausrüstung vorhanden?
  • Wie steht es um die Hygienebedingungen vor Ort?
  • Sind besonders gefährdete Personengruppen ermittelt worden?
  • Sind die psychischen Belastungen an die aktuelle Situation angepasst?
  • Haben die Mitarbeiter auf Geschäftsreisen oder Entsendungen Zugang zu reisemedizinischen Empfehlungen und muss die Reiseapotheke angepasst werden?
  • Sind etwaige – neuerliche – Grenzschließungen berücksichtigt?
  • Wie kann ein Mitarbeiter im Ausland versorgt werden, der COVID-Symptome aufweist?
  • Besteht in der aktuellen Situation ein Versicherungsschutz?
  • Sind Notfall- und Evakuierungspläne angepasst worden?
  • Wurden Schulungen für die Mitarbeiter im Hinblick auf diese Risiken durchgeführt?