Ein Treffpunkt für alle, die medizinische Forschung im Arbeitsalltag leben oder neu entdecken wollen. Mit hundert Teilnehmenden aus Klinik, Verwaltung und Forschung war der „Tag der medizinischen Wissenschaften“ im Oktober restlos ausgebucht. Das Programm spannte einen Bogen von klinischen Studien und Ethikfragen über Prävention bis zur Translation von Forschungsergebnissen in die Klinik. An mehreren Stationen konnten Besucher:innen selbst einen Blick in die Forschung werfen: Mikroskop, VR-Brille und (simulierte) Mikro-Computertomografie machten wissenschaftliche Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.
Organisiert wurde die Veranstaltung von Priv.-Doz. Dr. Gerhard Fritsch, Oberarzt am UKH Salzburg und Leiter der Forschungsgruppe „Translationale Anästhesiologie und Schmerzmedizin“, und Forschungskoordinator DDr. Johannes Zipperle. Ihr Ziel: den Dialog zwischen Forschung und klinischer Praxis zu fördern und die Hürden zur aktiven Mitarbeit an wissenschaftlichen Projekten zu senken. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft von AUVA-Generaldirektor Mag. Alexander Bernart. Begrüßungs- und Glückworte sprachen der Ärztliche Direktor der AUVA, Dr. Roland Frank, MSc sowie die Präsidentin der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Prof.in Dr.in Freyja-Maria Smolle-Jüttner, die die Bedeutung der langjährigen Partnerschaft zwischen AUVA und LBG hervorhoben.
Wenn Klinik und Wissenschaft zusammenarbeiten
Medizinischer Fortschritt lebt vom Austausch zwischen Labor und Klinik. Die Klinik kann sicherstellen, dass sie ihren Patienten:Patientinnen die am besten geeignete Versorgung zur Verfügung stellt, und die Wissenschaft weiß, dass ihre Arbeit auch ankommt und Sinn macht.
„Die Forschung am LBI Trauma widmet sich der bestmöglichen Behandlung von Unfallpatienten:-patientinnen in allen Phasen ihrer Genesung – von der Intensivmedizin bis zur vollständigen Regeneration. So kann die AUVA ihren Versicherten jene Versorgung bieten, die eine rasche Rückkehr in Alltag und Berufsleben ermöglicht“, weiß Priv.-Doz. Dr. Thomas Hausner zu berichten. Der langjährige ärztliche Leiter des AUVA Traumazentrums Lorenz Böhler, nun Primar der Orthopädie und Traumatologie am UKH Salzburg, ist seit vielen Jahren Co-Direktor des LBI Trauma.
Wie Forschung die tägliche Praxis prägt, davon erzählten die Sprecher:innen am Tag der medizinischen Wissenschaften: Priv.-Doz. Dr. Herbert Schöchl zeigte, wie entscheidend personalisierte Diagnostik für das Überleben Schwerverletzter ist und Priv.-Doz. Dr. Marcin Osuchowski verdeutlichte, wie die präklinische Forschung dazu beigetragen hat, dass wir Sepsis heute besser verstehen und schneller erkennen. Priv.-Doz. Dr. Jakob Schanda präsentierte seine klinische Studie zur positiven Wirkung von Zoledronsäure auf die Knochenmikroarchitektur nach Rotatorenmanschettenriss, während Dr.in Regina Brunauer demonstrierte, was Knochenheilung von natürlichen Regenerationsprozessen lernen kann. Dr. Peter Dungel erklärte anhand konkreter Beispiele, wie Präventionsforschung Risiken am Arbeitsplatz frühzeitig erkennt und Menschen bereits schützt, bevor etwas passiert.
Gute Forschung braucht auch den richtigen Rahmen. Dr. Stefan Strasser zeigte, warum klinische Studien Vertrauen und Vergleichbarkeit schaffen, Mag.a Andrea Stockhammer erinnerte daran, dass wissenschaftliche Qualität immer auch Verantwortung bedeutet – gesichert durch die Arbeit der AUVA-Ethikkommission.
In den Vorträgen spiegelte sich das wider, was die Forschung am LBI Trauma seit 45 Jahren prägt: das Zusammenspiel von Grundlagenarbeit, klinischem Wissen und technologischem Fortschritt.
Blicke zurück ...
Besonders bewegend war der Vortrag von Prof. Dr. Heinz Redl. Über fünf Jahrzehnte lang begleitet er die AUVA-Unfallforschung – länger, als das heutige LBI Trauma überhaupt besteht. Als historisch besonders bedeutend hebt er die Entwicklung von Applikationssystemen für den Gewebekleber Fibrin in den 1970er-Jahren hervor. Was damals als experimentelle Idee begann, wurde zu einer medizinischen Standardanwendung, die bis heute Operationen sicherer und Wundheilung schneller macht.
Doch Redls Einfluss ging weit über die Labore hinaus. Unter seiner 20-jährigen Leitung entstanden internationale wissenschaftliche Netzwerke, die Forschung und Klinik bis heute verbinden. Damit legte er den Grundstein für das, was das LBI Trauma heute auszeichnet: ein Institut, das Wissen teilt, Zusammenarbeit fördert und Forschung als gemeinschaftliche Aufgabe versteht.
... und in die Zukunft
LBI-Trauma-Direktor Prof. Dr. Johannes Grillari betonte, dass Forschung nie stillsteht. Mit dem geplanten Forschungs- und Innovations-Hub Brigittenau soll die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Klinik und Wirtschaft künftig noch enger werden.
Ein Forschungsschwerpunkt der Zukunft liegt in der Seneszenzforschung: Zellen treten durch verschiedene Stressoren in diesen „Zombie“-Zustand ein und haben negative Eigenschaften, wenn sie nicht rasch durch das Immunsystem eliminiert werden. Dann heilen Wunden langsamer, Knochen brechen leichter, die Regeneration stockt. Das Institut arbeitet an Strategien, um diese Prozesse zu verstehen und gezielt zu beeinflussen.
Zum Abschluss des Tages – und als Auftakt in die kommenden Jahrzehnte – stand ein Gefühl im Raum, das alle Beiträge verband: Forschung ist kein Selbstzweck. Sie ist gelebte Verantwortung. Denn was im Labor beginnt, kann im OP-Saal Leben retten, auf der Station Schmerzen lindern und in der Rehabilitation Hoffnung geben. Und manchmal entsteht daraus auch etwas, das man schwer in Zahlen fassen kann: das Vertrauen, dass Wissenschaft wirkt, weil sie Menschen verbindet. (cs)




