Die Auswirkungen globaler Entwicklungen sind im Arbeitsalltag angekommen: Besprechungen und Informationsaustausch finden digital statt, Aufgaben werden im Homeoffice erledigt. Die Temperaturen steigen sowohl im Freien als auch in Innenräumen. Ältere Kollegen:Kolleginnen verabschieden sich in die Pension, Nachfolger:innen sind schwer zu finden. Die gewohnten Präventionsmaßnahmen reichen oft nicht mehr aus, um Arbeitnehmer:innen vor Hitze oder Technostress zu schützen, erschwerte Arbeitsbedingungen führen zu mehr psychischen Belastungen.
Hitze und Sonnenstrahlung
Die Zahl der Hitzetage mit über 30 Grad und der Tropennächte mit über 20 Grad nimmt zu, mehr Sonnenstunden bedeuten auch eine höhere Belastung durch UV-Strahlung. Hitze und Wasserverlust durch Schwitzen können eine Hitzeerschöpfung oder einen Hitzekollaps verursachen. Kommt es zu einem Hitzschlag, besteht Lebensgefahr. Das psychische Wohlbefinden wird ebenfalls beeinträchtigt, was eine sinkende Leistungsfähigkeit und ein steigendes Unfallrisiko zur Folge haben kann. Hohe Temperaturen fördern aggressives Verhalten, zum Beispiel von Kunden:Kundinnen gegenüber dem Personal.
Besonders stark betroffen von Hitze und natürlicher UV-Strahlung sind Arbeitnehmer:innen, die vorwiegend im Freien arbeiten, etwa im Baugewerbe oder in der Landwirtschaft. Die am 1. Jänner 2026 in Kraft getretene Hitzeschutzverordnung verpflichtet Arbeitgeber:innen, bei Arbeiten im Freien Gefahren durch Hitze und UV-Strahlung zu ermitteln und ab einer gefühlten Temperatur von 30 bis 34 Grad Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Informationen zum Thema Hitze und natürliche UV-Strahlung gibt es von der AUVA. Das Merkblatt M.plus 012 „Arbeiten im Freien bei Hitze“, der Folder „Sonnenschutz – meiden, kleiden, cremen“ und die Sonnenscheibe „UV-Schutz – Sonne ohne Schattenseiten“ liegen nun in überarbeiteter Form vor, das Merkblatt M 013 „UV-Strahlung und Arbeiten im Freien“ und der Folder „Sonnenschutz“ werden derzeit aktualisiert.
Digitalisierung
Die Digitalisierung birgt Chancen und Risiken. „Heben und Tragen schwerer Lasten sowie repetitive Tätigkeiten können von Robotern übernommen werden“, nennt Mag.a Sylvia Ebner, Arbeits- und Organisationspsychologin in der AUVA-Hauptstelle, Entlastungsmöglichkeiten durch Automatisierung. Aber es ergeben sich auch neue Gefahren, zum Beispiel durch Kollisionen mit kollaborativen Robotern.
Digitale Technologien schaffen die Voraussetzungen für zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten, was die Zusammenarbeit in virtuellen Teams ermöglicht und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern kann. Allerdings verursachen Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit und nicht benutzer:innenfreundliche Programme Technostress. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) entstehen neue Jobs, andererseits werden bisher dem Menschen vorbehaltene Tätigkeiten von KI übernommen.
Damit die Vorteile der Digitalisierung am Arbeitsplatz gegenüber den Nachteilen überwiegen, müssen gesetzliche Regelungen geschaffen werden. Auf EU-Ebene soll der „Quality Jobs Act“ noch heuer ein Recht auf Nichterreichbarkeit, faire Telearbeit, den Umgang mit KI und den Schutz vor psychosozialen Belastungen in einem digitalisierten Arbeitsumfeld garantieren. Außerdem ist eine Änderung der Vorschriften für Arbeitsstätten und Bildschirmarbeitsplätze geplant.
Im Rahmen der noch bis Jahresende 2026 laufenden AUVA-Kampagne „Gemeinsam sicher digital“ wurde das Informations- und Unterstützungsangebot der AUVA zum Thema Digitalisierung erweitert. Neu dazugekommen sind die „Checkliste psychische Belastung bei digitaler Kommunikation für Arbeitnehmer:innen“ und das Factsheet „Technostress am Arbeitsplatz“.
Alternsgerechte Arbeit
In den kommenden Jahren werden die letzten Jahrgänge der geburtenstarken Babyboomer-Generation das Pensionsalter erreicht haben, gleichzeitig scheiden viele Beschäftigte vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Einer der Gründe dafür liegt in den belastenden beruflichen Rahmenbedingungen. Es ist daher notwendig, die Arbeit alternsgerecht zu gestalten.
Je nach Lebensphase stehen unterschiedliche Bedürfnisse im Vordergrund, zum Beispiel nach flexibler Arbeitszeit zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Für eine gute Zusammenarbeit der Generationen haben sich Tandems und altersgemischte Teams bewährt, in denen Erfahrungen ausgetauscht werden können. Bei Pensionierungen sei Wissensmanagement ebenfalls wichtig, so Arbeits- und Organisationspsychologin Mag.a Veronika Jakl: „Man muss proaktiv rechtzeitig planen, damit auch informelles Wissen weitergegeben wird.“ Gleichzeitig gilt es, älteren Beschäftigten Wertschätzung entgegenzubringen, etwa durch den Zugang zu Weiterbildungsangeboten.
In der AUVA befasst sich eine Arbeitsgruppe mit alternsgerechtem Arbeiten. Ein Merkblatt für Betriebe ist derzeit in Vorbereitung. Mit dem kostenlosen „Altersstrukturcheck“ bietet die AUVA ein Instrument, um die aktuelle Altersverteilung im Unternehmen zu analysieren, Prognosen zu erstellen und Maßnahmen abzuleiten.
Psychische Belastungen
Diese neuen Entwicklungen bringen psychische Belastungen mit sich. Am Arbeitsplatz kommt es immer häufiger zu Situationen, in denen Personen – Beschäftigte, aber auch Externe wie Kunden:Kundinnen oder Patienten:Patientinnen – ihre Emotionen nicht kontrollieren können oder sogar zu psychischer oder körperlicher Gewalt greifen. Ein höheres Risiko, von Gewalt betroffen zu sein, haben Frauen und Beschäftigte in Gesundheits- und Sozialberufen, im Handel, in der Gastronomie und in der Bildung. Mit der „Checkliste Gewaltprävention“ der AUVA lassen sich Faktoren identifizieren, die arbeitsbedingte Gewalt begünstigen, und Präventionsmaßnahmen ableiten.
Gewalttaten und andere plötzlich auftretende Notfallsituationen können unmittelbar Betroffene und Zeugen:Zeuginnen stark belasten. Um psychischen Folgeschäden vorzubeugen, muss rasch psychosoziale Hilfe geleistet werden. Auch deren Planung ist Teil der Präventionsarbeit. Die AUVA bietet Betrieben Unterstützung bei der Erstellung eines notfallpsychologischen Betreuungskonzepts an. (rp)
Online-Tipps zu Hitze, Digitalisierung, alternsgerechte Arbeit und psychischen Belastungen
AUVA-Blogbeiträge zum Thema Hitze auva.at/blog/arbeit-bei-hitze
Merkblatt M.plus 012 Arbeiten im Freien bei Hitze bit.ly/4edWhdb
Merkblatt M 086 Optische Strahlung – Hitzebelastung bit.ly/3QfI7Au
Folder „Sonnenschutz – Meiden, kleiden, cremen“ bit.ly/4ekQIdj
Sonnenscheibe „UV-Schutz – Sonne ohne Schattenseiten“ bit.ly/4exUxgm
Digitalisierungskampagne der AUVA auva.at/praevention/kampagnen/gemeinsam-sicher-digital
Alternsgerechtes Arbeiten bit.ly/43nyQJF
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz bit.ly/4gcqoo3




