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Arbeitspsychologie: Die Schattenseite hybrider Arbeit

Hybride Arbeit bietet den ­Beschäftigten Autonomie, geht aber auch mit sozialer Isolation einher. Diese ­Kehrseite der Arbeitsform hat eine Studie ­näher ­beleuchtet. Die Ergebnisse zeigen: Vorgesetzte können die negativen Folgen reduzieren.

Durch die zunehmende Nutzung von Home­office entstehen hybride Arbeitsformen, bei denen Arbeit in den Räumlichkeiten der Organisation und Arbeit von zu Hause kombiniert werden. Diese flexible Gestaltung des Arbeitsortes bietet den Beschäftigten Vor-, aber auch Nach­teile.

Einerseits fördert hybride Arbeit die wahrgenommene Autonomie. Beschäftigte im Homeoffice haben beispielsweise mehr Spielraum, wann, wo und wie sie ihre Arbeit erledigen. Zudem fällt es ihnen leichter, Anforderungen aus Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren. Andererseits kann es durch das Fehlen persönlicher Kontakte sowie den Wegfall informeller Kommunikation und spontaner Treffen im Homeoffice zu sozialer Isolation kommen. Das heißt, die Beschäftigten fühlen sich weniger in ihr Arbeitsteam integriert und weniger mit ihren Kollegen:Kolleginnen verbunden.

Forschung deckt Vor- und Nachteile auf

Um die Kehrseite hybrider Arbeit besser zu verstehen, führte der Fachbereich Arbeits- und Orga­nisationspsychologie der Universität Graz eine mehrwöchige Studie zum Wissensaustausch und zur sozialen Isolation bei hybrider Arbeit durch. An der Studie konnten Personen teilnehmen, die prinzipiell die Möglichkeit hatten, im Homeoffice zu arbeiten. Über mehrere Arbeitswochen hinweg beantworteten sie wöchentliche Fragen zum Home­office-Anteil, zum Wissensaustausch im Team, zur wahrgenommenen sozialen Isolation und zur ­sozialen Unterstützung durch die unmittelbare Führungskraft. 
Insgesamt nahmen 167 Personen über durchschnittlich fünf Arbeitswochen an der Befragung teil. Die Befragten waren zum Großteil Frauen (73 %), im Durchschnitt 38 Jahre alt und bereits neun Jahre in ihren Jobs tätig. Sie arbeiteten im Durchschnitt 36,6 Stunden pro Woche (inklusive Mehrarbeit) und 30 % hatten eine Führungsposition inne. Am häufigsten waren die Befragten in der öffentlichen Verwaltung (25 %), im Bildungswesen (18 %) bzw. im Bereich Wissenschaft und Technologie (12 %) tätig. Die meisten Befragungsteilnehmer:innen stuften ihre berufliche Stellung (ISCO-08) als „Fachkraft“ (56 %) oder „Verwaltungsangestellter:-angestellte“ (23 %) ein. Im Durchschnitt gaben die Befragten an, vier Tage pro Woche im Homeoffice tätig zu sein. 

Unterstützung durch Führungskräfte als Schutzfaktor

Die Studie zeigt, dass mit zunehmendem Ausmaß an Homeoffice die soziale Isolation der Beschäftigten steigt. Je mehr Tage Personen von zu Hause aus arbeiten, desto seltener haben sie die Möglichkeit, persönlich mit Kollegen:Kolleginnen zu interagieren und sich als Teil des Arbeitsteams zu erleben. Dadurch werden zentrale menschliche Bedürfnisse nach sozialer Eingebundenheit nicht ausreichend befriedigt und es entsteht das Gefühl, sozial isoliert zu sein.
Als wichtiger Schutzfaktor gegen die negativen Auswirkungen von Homeoffice erwies sich die soziale Unterstützung durch Führungskräfte. Beschäftigte, die soziale Unterstützung durch ihre unmittelbaren Vorgesetzten erfuhren, berichteten selbst bei sehr häufiger Arbeit im Homeoffice nicht von einem geringeren Wissensaustausch oder einer höheren sozialen Isolation als Beschäftigte, die nur selten im Homeoffice arbeiteten (siehe Abbildung 1). Das zeigt, dass die soziale Unterstützung durch Vorgesetzte den Mangel an Ver­bundenheit ausgleicht, der durch den verminderten persönlichen Kontakt während der Arbeit im Homeoffice entsteht. (bk)

Factbox: Hybride Arbeit 

Um die positiven und negativen Seiten hybrider Arbeit zusammenzuführen, haben Gajendran und andere1 ein Zwei-Pfade-Modell vorgeschlagen. Dieses Modell beschreibt die Zusammenhänge zwischen hybrider Arbeit und zentralen Arbeitsfolgen, wie Arbeitszufriedenheit, Arbeitsleistung, Stress und Burnout, über zwei gegensätzlich wirkende Pfade. Der positive Pfad verbindet das Ausmaß von Homeoffice über mehr wahrgenommene Autonomie mit Arbeitszufriedenheit, verbesserter Leistung und höherem Arbeitsengagement. Der negative Pfad beschreibt, dass häufige Arbeit von zu Hause mit mehr sozialer Isolation und folglich mit weniger Arbeitszufriedenheit, schlechterer Leistung und einer ­geringeren Bindung an die Organisation einhergeht. Zusammen­genommen reduzieren die negativen Effekte über soziale Isolation mithin die positive Wirkung der wahrgenommenen Autonomie auf die Arbeitsfolgen. 

1 Gajendran, R. S., Ponnapalli, A. R., Wang, C., & Javalagi, A. A. (2024). A dual pathway model of remote work intensity: A meta‐analysis of its simultaneous positive and negative effects. Personnel Psychology, 77(4), 1351-1386. https://doi.org/10.1111/peps.12641

Präventionsempfehlungen

Bei der Gestaltung von Homeoffice-Rege­lungen sollte berück­sichtigt werden, dass die häufige Arbeit von zu Hause mit nachteiligen Folgen einhergehen kann.
Um soziale Isolation zu vermeiden, sollte Kommunikation, beispielsweise in Form von Wissensaustausch, gefördert werden.

Dafür ist es wichtig, in der Organisation ein Klima zu schaffen, das durch Vertrauen und Offenheit gekennzeichnet ist.
Vorgesetzte können virtuelle Tools (z. B. Online-Meetings, Groupware und Online-Chats) einsetzen, um die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen räumlich verteilten Personen zu erleichtern, den Teamgeist und die soziale Verbundenheit zu stärken sowie den Wissensaustausch zu fördern.
Darüber hinaus sollte gezielt Raum für per­sönliche und spontane Interaktion und ­Kommunikation geschaffen werden.

Autorin: Univ.-Prof.in MMag.a Dr.in Bettina Kubicek, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie, Universität Graz, bettina.kubicek@uni-graz.at

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Weniger persönliche Kontakte und fehlende informelle Kommunikation fördern die soziale Isolation.
© vld.enc/Stock
Slope-Diagramm: Zusammenhang zwischen dem Ausmaß an Homeoffice und dem Wissensaustausch in Abhängigkeit von der sozialen Unterstützung durch die Führungskraft
Abbildung 1: Zusammenhang zwischen dem Ausmaß an ­Homeoffice und dem Wissensaustausch in Abhängigkeit von der sozialen Unterstützung durch die Führungskraft
© Kubicek