Günther Schweiger, MBA kennt sein Handwerk. Begonnen hat alles mit einer herkömmlichen Tischlerei, bevor im Jahr 2001 die Idee für ein neues Geschäftsmodell entstand. Mit der Speedmaster GmbH, einem Produktionsbetrieb für Möbelfertigteile im oberösterreichischen Eberstalzell, setzte er von Anfang an auf neue Technologien. Seine Mitarbeiter:innen, ebenfalls technikaffin, gingen den Weg der Digitalisierung und Automatisierung Schritt für Schritt mit.
Bestellen im Web-Shop
Gemeinsam mit einem Programmierer wurde ein Web-Shop entwickelt – ein damals völlig neuer Ansatz in der Branche. Tischlereien bekamen damit die Möglichkeit, ihre Möbelfertigteile online selbst zu konfigurieren und zu bestellen. „Man wählt aus, welches Material, welche Farbe und welche Beschläge man möchte. Bestellt werden kann dabei alles von einem einzelnen Teil bis zu einer kompletten Küche“, erklärt Schweiger. Der:die Besteller:in sieht sofort den Preis für die gewünschte Ware. Speedmaster hat alle benötigten Daten und kann sofort zu produzieren beginnen. Beschläge, die zugekauft werden müssen, erhält Speedmaster schon am nächsten Tag von seinen Lieferanten:Lieferantinnen.
Damit das Versprechen eingehalten werden kann, alle Aufträge innerhalb von 48 Stunden zu erledigen, muss die Produktion automatisiert erfolgen. Dafür schaffte Speedmaster zu Beginn einzelne automatisierte Maschinen an, die später als Maschinenverbund verkettet wurden. Mittlerweile ist die Automatisierung fast abgeschlossen, nur die Verpackung erfolgt händisch, was sich noch im Lauf dieses Jahres ändern soll.
Automatisierte Fertigung
Die Automatisierung stellt an die Belegschaft veränderte Anforderungen. „Früher haben bei jeder Maschine ein oder zwei Mitarbeiter:innen das Handling gemacht. Diese wenig anspruchsvolle Tätigkeit übernimmt jetzt ein Roboter, die Mitarbeiter:innen kümmern sich als Maschinenführer:innen um die Anlage“, so Schweiger. Um die nötige Kompetenz zu erwerben, werden die Angestellten durch spezielle Schulungsmaßnahmen ausgebildet. Die Wartung der Maschinen wird wöchentlich durch die hauseigenen Servicetechniker:innen und zweimal jährlich gemeinsam mit Technikern:Technikerinnen des herstellenden Unternehmens durchgeführt.
Da in automatisierten Fertigungslinien mehrere Maschinen zu einem Verbund zusammengeschaltet sind, ist der Zugang zu den einzelnen Maschinen nicht frei möglich, sondern durch Schutzeinrichtungen abgesichert. Beim Wechsel von Dekoren oder Kantenbändern muss der:die Bediener:in der Maschine den Sicherheitsbereich betreten. In diesem Fall wird aus Sicherheitsgründen der gesamte Maschinenverbund statt nur einer einzelnen Maschine gestoppt. Das macht eine genaue Planung erforderlich, um die Zahl der Stillstände möglichst gering zu halten.
Vorteile
Als Vorteile von Digitalisierung und Automatisierung nennt Schweiger eine höhere Produktivität und eine gleichbleibend gute Qualität. Während die Maschinen im analogen Betrieb öfter feinjustiert werden mussten, ist es nun in der Regel nur einmal am Tag nötig, die Anlage einzustellen. Für die Beschäftigten hat sich ihre Arbeit durch die höhere Qualifizierung geändert: weniger manuelle Eingriffe, mehr überwachende und steuernde Aufgaben. (rp)




