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Berufskrankheiten: Vibrationen am Arbeitsplatz: Unsichtbare Belastungen

Vibrationen am Arbeitsplatz sind mechanische Schwingungen, die durch handgeführte Maschinen oder Fahrzeuge auf den Körper übertragen werden. Sie können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, die unter bestimmten Vorausetzungen als Berufskrankheit anerkannt werden können.

Bei Vibrationen am Arbeitsplatz wird zwischen Hand-Arm-Vibrationen und Ganzkörper-Vibrationen unterschieden. Hand-Arm-Vibrationen entstehen durch Werkzeuge wie Schlaghämmer, Bohrmaschinen oder Schleifgeräte. Bei Werkzeugen, die Schwingungen im hohen Frequenzbereich erzeugen (20 – 1.000 Hz), kann überwiegend eine Durchblutungsstörung der Finger auftreten, das sogenannte vibrationsbedingte vasospastische Syndrom (VVS). Typischerweise äußert es sich durch Schmerzen, Kribbeln und Steifigkeit in den Fingern.

Bei Werkzeugen, die Schwingungen im niedrigen Frequenzbereich erzeugen (8 – 50 Hz), kann es vor allem zu Gelenksarthrosen im Hand-Arm-Schulterbereich kommen, besonders bei starkem Kraftschluss oder Anpressdruck. Das Risiko besteht zum Beispiel bei Arbeiten mit Bohrhämmern, Stampfern oder Meißelhämmern.

In Österreich ist dies als Berufskrankheit BK 5.2.1 anerkannt. Im Zeitraum zwischen 2020 und 2024 wurden 64 Fälle anerkannt. Die BK 5.2.1 macht am gesamten Berufskrankheitengeschehen in diesem Zeitraum 0,3 % aus. Von den gemeldeten Verdachtsfällen werden rund 40 % anerkannt. 

Hand-Arm-Vibrationen vermeiden

Präventive Maßnahmen sind etwa der Einsatz von vibrationsarmen Werkzeugen, regelmäßige Wartung und Instandhaltung der Geräte, das Einlegen von Pausen und die Begrenzung der Expositionsdauer. Auch die Vermeidung großer Greif-, Andruck- und Haltekräfte, der Einsatz von vibrationsdämpfenden Griffsystemen oder die Verwendung von vibrationsdämpfenden Handschuhen können helfen.

Personen, die beruflich Hand-Arm-Vibrationen ausgesetzt sind, die bestimmte Grenzwerte überschreiten, muss eine spezielle Untersuchung angeboten werden, wie in der Verordnung über die Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz beschrieben. 

Ganzkörper-Vibrationen vermeiden

Ganzkörper-Vibrationen treten vor allem bei der Nutzung von Fahrzeugen wie zum Beispiel bei Gabelstaplern, Traktoren oder Baumaschinen auf. Diese Vibrationen belasten insbesondere die Wirbelsäule. Eine langfristige Exposition kann zu degenerativen Erkrankungen besonders der Lendenwirbelsäule und zu chronischen Schmerzen führen. Auch hier sind die Verwendung von vibrationsdämpfenden Sitzen, regelmäßige Pausen und Begrenzung der Expositionsdauer, die regelmäßige Maschinenwartung sowie die Schulung der Fahrer:innen über Risiken wichtige Maßnahmen zur Prävention. Ebenfalls muss eine Untersuchung bei Überschreitung der Grenzwerte gemäß der Verordnung Lärm und Vibrationen (VOLV) angeboten werden. Eine eigene Berufskrankheit ist dafür nicht vorgesehen. (vs / gor)

Literaturtipps

Evaluierung Lärm- und Vibrationsbe­lastungen (VOLV)
bit.ly/4kUgo1L

E 10 Vibrationen
bit.ly/4jOu91h

Vibrationen-Arbeitsinspektion
bit.ly/3HA4Z9d

In den folgenden Ausgaben des Magazins ALLE!ACHTUNG! werden die häufigsten ­Berufskrankheiten (lt. Berufskrankheiten-Modernisierungs-Gesetz [BGBl. I Nr. 18 / 2024]) beschrieben und erklärt, ebenso die Vorgangsweise bei der Meldung und notwendige ­Präventionsmaßnahmen.

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