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Berufskrankheiten: Wenn Virtuosität zur Falle wird

Die Musikerdystonie – in der Fachsprache als fokale ­Dystonie bezeichnet – ist eine seltene, aber ernst zunehmende neurologische Erkrankung. Sie tritt fast ausschließlich beim Spielen eines Instruments auf, führt zu unwill­kürlichen ­Verkrampfungen und kann hochkarätige ­Profikarrieren ­innerhalb weniger Monate stoppen.

Einer der berühmtesten Fälle ist der US-Pianist Leon Fleisher, der in den 1960er-Jahren aufgrund einer fokalen Dystonie jahrzehntelang nur noch linkshändige Werke spielen konnte. Ebenfalls betroffen war der Keyboarder Keith Emerson von Emerson, Lake & Palmer, dessen Karriere durch Musikerdystonie massiv beeinträchtigt wurde. Die Musikerdystonie ist eine neurologische Erkrankung, die sich als eine Bewegungsstörung zeigt, die fast ausschließlich beim Spielen eines Instruments auftritt. Sie wurde 2024 in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Besonders gefährdet sind Profimusiker:innen, die über Jahre täglich mehrere Stunden üben und dabei sehr präzise Bewegungen ausführen. Dabei kommt es zu unkontrollierten Verkrampfungen, sobald bestimmte Spielbewegungen ausgeführt werden. Alltägliche Bewegungen sind meist nicht betroffen. Typische Symptome sind das Einrollen oder Strecken einzelner Finger, eine ungewöhnliche Handhaltung oder Zittern in den Unterarmen. Stress verstärkt die Beschwerden. 

Den Ursachen auf der Spur

Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Es sind jedoch Risikofaktoren bekannt, wie wiederholte, hochpräzise Bewegungen oder das plötzliche Steigern der Übungszeit. Auch eine Änderung der Spieltechnik, Verletzungen, anatomische Besonderheiten und psychische Faktoren sowie genetische Einflüsse sind mögliche Gründe für eine Musikerdystonie.

Die Diagnose erfolgt durch eine:n erfahrene:n Neurologen:Neurologin. Hilf­reich ist eine Untersuchung am Instrument. Eine Untersuchung, bei der die elektrische Aktivität der Muskeln gemessen wird (EMG), kann die Diagnosefindung unterstützen, aber es gibt keinen eindeutigen Test.
Eine vollständige Heilung ist selten möglich, doch gibt es Ansätze, die Beschwerden zu lindern. Dazu gehören Medikamente wie etwa Anticholinergika oder Botulinumtoxin-Injektionen. Auch das Neulernen von Bewegungsabläufen am Instrument sowie ergonomische Hilfen wie Fingerschienen können helfen. Zudem kann der Wechsel des Instrumentes manchmal schon zu einer Besserung führen. Die Therapie erfordert jedenfalls spezialisierte Fachleute und ein individuelles Vorgehen. 

Rechtzeitig vorsorgen hilft

Regelmäßige Pausen beim Üben, abwechslungsreiche Übungsstrategien von Anfang an und keine abrupten Übungssteigerungen helfen in der Prävention. Die ergonomische Anpassung der Haltung und des Instruments sowie ausgleichende Bewegung sollten ebenso auf dem Programm stehen wie Maßnahmen zur Stressbewältigung. Frühe Warnzeichen sollen beachtet und rechtzeitig Hilfe aufgesucht werden. Wichtig ist auch ein unterstützender, angstfreier Unterricht. (go)

Unterstützung und Hilfe­stellungen durch die AUVA

Weitere Informationen und praktische Unterstützung zur Meldung einer Berufskrankheit unter: auva.at/auva-ihre-leistungen/leistungen-auf-einen-blick/versicherungsschutz/berufskrankheiten

Berufskrankheitenliste zu finden im AUVA-Blog: auva.at/blog/berufskrankheiten­­liste-neu

In den folgenden Ausgaben des Magazins ALLE!ACHTUNG! werden die häufigsten ­Berufskrankheiten (lt. Berufskrankheiten-Moderni­sierungs-Gesetz [BGBl. I Nr. 18 / 2024]) beschrieben und erklärt, ebenso die Vorgangs­weise bei der Meldung und notwen­dige ­Präventionsmaßnahmen.

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© Drbouz/iStock