2024 war laut GeoSphere Austria das wärmste Jahr der Messgeschichte in Österreich, das Vorjahr belegte immerhin den achten Platz seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Klimaerwärmung wird für weiter steigende Temperaturen sorgen, ist der Arbeits- und Umweltmediziner Dr. Heinz Fuchsig überzeugt: „In den nächsten fünfzehn Jahren müssen wir damit rechnen, dass in den Landeshauptstädten die 40-Grad-Grenze überschritten wird.“ Hitzetage schon ab April und bis in den Oktober hinein sind bereits häufiger geworden und werden in Zukunft noch öfter auftreten.
Gefahren durch Hitze
Starke Hitze ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich werden. Ältere Menschen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, vertragen hohe Temperaturen meist schlechter. Neben Temperatur, Wärmestrahlung und Luftfeuchtigkeit spielt auch die Art der Tätigkeit eine wesentliche Rolle, so Fuchsig: „Bei schwerer Arbeit schwitzt man schon ab zehn Grad.“ Hitze sowie der Verlust von Wasser und Salzen durch Schwitzen können eine Hitzeerschöpfung verursachen, die sich durch Müdigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und Herz-Kreislauf-Probleme äußert. Ein Hitzekollaps, ausgelöst durch einen Kreislaufkollaps, ist eine Teilreaktion der Hitzeerschöpfung mit Fieber bis über 40 Grad; es besteht Lebensgefahr. Bei Hitze leiden Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit, man macht mehr Fehler und hat ein höheres Unfallrisiko.
Gefahren durch UV-Strahlung
Seit den 1980er-Jahren nimmt die Zahl der Sonnenstunden in Österreich zu, die Belastung durch UV-Strahlung steigt. Diese ist in den Monaten April bis September, zwischen 11 und 15 Uhr und in den Bergen besonders hoch. Reflektierende Oberflächen wie Metall, Glas, Beton, Wasser oder Schnee verstärken die UV-Strahlung, Schatten verringert sie um maximal die Hälfte, starke Bewölkung nur um rund 30 Prozent.
UV-Strahlung verursacht sowohl akute als auch langfristige Gesundheitsschäden. Zu den akuten Schäden zählen Sonnenbrand, Sonnenallergie und Sonnenstich, der oft mit dem gefährlicheren Hitzekollaps verwechselt wird. Bei intensiver UV-Strahlung können sich die Hornhaut und die Bindehaut des Auges entzünden.
Chronische Erkrankungen der Augen durch Sonnenstrahlung sind der Graue Star und die Makuladegeneration. Der Großteil der chronischen UV-Schäden betrifft die Haut, von vorzeitiger Hautalterung bis zum Hautkrebs. Seit März 2024 werden in Österreich die Hautkrebsformen Plattenepithelkarzinom und aktinische Keratosen, die auf chronische UV-Belastung zurückzuführen sind, als Berufskrankheiten anerkannt.
Schutzmaßnahmen im Freien
Am 1. Jänner 2026 ist die Hitzeschutzverordnung in Kraft getreten. Sie verpflichtet Arbeitgeber:innen, bei Arbeiten im Freien Gefahren durch Hitze und UV-Strahlung zu ermitteln und bei einer gefühlten Temperatur ab 30 Grad Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dabei sollte nach dem TOP-Prinzip – technische vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen – vorgegangen werden.
Zu den technischen Maßnahmen zählen verschiedene Arten der Beschattung wie Überdachungen, Sonnenschirme oder Segelzelte. Mit organisatorischen Maßnahmen lässt sich die Aufenthaltsdauer in der Sonne verkürzen, etwa durch Verlegung von Tätigkeiten, bei denen sich direkte Sonnenbestrahlung nicht vermeiden lässt, in die Tagesrandzeiten. Für Beschäftigte, die länger der Sonne ausgesetzt sind, gelten entsprechende Kleidung, zum Beispiel Kopfbedeckung mit Nackenschutz, Sonnenschutzbrille und Sonnenschutzmittel als persönliche Schutzausrüstung, die der:die Arbeitgeber:in zur Verfügung stellen muss.
Bei der Verwendung von Sonnenschutzmitteln werden oft Fehler gemacht, was die Schutzwirkung verringert. Es ist wichtig, ausreichend Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor zu verwenden, zirka alle zwei Stunden nachzucremen und auf besonders gefährdete Stellen wie Nase oder Lippen nicht zu vergessen. Sonnenschutzmittel sollten nicht in heißer Umgebung gelagert werden, da sie dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. (rp)
Hitzeschutz in Innenräumen
Viele vor längerer Zeit errichtete Werkshallen und Bürogebäude sind nicht für die heutigen – und erst recht nicht für die künftig zu erwartenden – hohen Temperaturen ausgelegt. Um die Hitze draußen zu halten, helfen bauliche Maßnahmen wie gute Dämmung, Beschattung durch Vordächer sowie Fenster mit Thermoverglasung, Rollläden, Jalousien oder Sonnenschutzfolien. Auch hochreflektierende Dachflächen und begrünte Fassaden wirken kühlend.
Ältere Gebäude verfügen oft nur über eine Heizung, eine Kühlung fehlt oder reicht nicht aus. Bei Neuanschaffungen sollte statt einer herkömmlichen Heizung ein Heiz- und Kühlsystem gewählt werden. Ist ein Kauf von Wärme abstrahlenden Maschinen oder Geräten fällig, empfiehlt es sich, auf Energieeffizienz und gute Wärmeisolierung zu achten. Damit die in der Nacht abgekühlte Luft in den Innenräumen bleibt, sollte man nachts oder in den Morgenstunden lüften und Rollos oder Jalousien schließen, bevor die Sonneneinstrahlung den Raum aufheizt.
Auch die Verlegung körperlich schwerer Arbeiten in die Tagesrandzeiten, Gleitzeit und die Arbeit im Homeoffice können Erleichterung schaffen. Die Pausenregelung sollte Entwärmungspausen vorsehen, die man zum Beispiel in einem gekühlten Sozialraum oder einem beschatteten Bereich im Freien verbringen kann. Mit Trinkpausen und der Bereitstellung von Getränken lässt sich Dehydrierung vermeiden.
Arbeitnehmer:innen können selbst dazu beitragen, die Belastung durch Hitze zu verringern, indem sie ausreichend trinken und – sofern möglich – lockere, atmungsaktive Kleidung tragen. Hitzebelastung wird oft erst spät wahrgenommen, manchmal erkennen Kollegen:Kolleginnen die Warnzeichen früher als die Betroffenen selbst. „Bei Hitze braucht es viel Aufmerksamkeit für sich selbst und die Nächsten. Nimmt man geistige Veränderungen oder Müdigkeit wahr, ist das oft das erste Zeichen, dass dringend eine ‚Hitzepause‘ eingelegt werden sollte“, so Fuchsig.




