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Mitarbeiter reden mit

Im Chemieunternehmen Evonik Peroxid GmbH konnten die Beschäftigten im Rahmen des Präventionsprogramms AUVAfit ihre Anliegen einbringen.

Bei der Vermeidung von Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) denkt man vor allem an Maßnahmen, die das Heben und Tragen schwerer Lasten erleichtern. Aber Umgebungsbedingungen können ebenfalls die Arbeitstätigkeit negativ beeinflussen und sich auch auf den Bewegungs- und Stützapparat auswirken. Im Rahmen von AUVAfit führen AUVA-Experten an ausgewählten Arbeitsplätzen eine Arbeitsplatzanalyse mit dem Ziel durch, körperliche oder psychische Fehlbelastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren. Dass dabei mitunter Faktoren eine Rolle spielen, mit denen man nicht gerechnet hat, das stellte man auch bei der Evonik Peroxid GmbH, einem Standort des international tätigen Unternehmens der Spezialchemie, der Evonik Industries AG, in Weißenstein in Kärnten fest.

Mit Modulen zum Erfolg

Die Idee, das Präventionsprogramm AUVAfit für die Reduktion von MSE zu nutzen, entstand am „Gesundheitstag“, der 2018 im Werk Weißen­stein veranstaltet wurde. Mag. Roland Grabmüller, MA, Fachkundiges Organ Ergonomie vom Unfallverhütungsdienst der AUVA-Landesstelle Graz, informierte die Mitarbeiter über Ergonomie am Arbeitsplatz. Er begeisterte Ing. Gerhard Pichler, Sicherheitsfachkraft bei Evonik, für AUVAfit – und kurz darauf mit einem Vortrag auch Geschäftsführer DI Dr. Josef Miklautsch. Im Jänner 2019 wurde mit dem AUVAfit-Modul Ergonomie begonnen.

„AUVAfit besteht aus den Modulen Ergonomie und Arbeitspsychologie, die kombiniert oder getrennt gebucht werden können. Beim Modul Ergonomie analysiert und bewertet man physische Belastungen am Arbeitsplatz anhand renommierter Bewertungstools. Anschließend werden gemeinsam mit dem Betrieb geeignete Maßnahmen besprochen, um Belastungen zu reduzieren“, erklärt Mag. Julia Lebersorg-Likar, Präventionsexpertin Ergonomie in der AUVA-Hauptstelle. AUVAfit ist ein wichtiger Baustein des AUVA-Präventionsschwerpunkts „Packen wir’s an!“ zu Muskel-Skelett-Erkrankungen (www.auva.at/mse). Der Schwerpunkt läuft vom Frühjahr 2021 bis zum Herbst 2022 und knüpft an die europäische Kampagne der EU-OSHA „Gesunde Arbeitsplätze – Entlasten Dich!“ an.

Ergonomie und Umgebungsbedingungen

Wie gesund die Arbeitsplätze bei Evonik waren, davon konnte sich Grabmüller bei acht Begehungen überzeugen. „Ich habe Zugang zu allen Bereichen gehabt, überall Fotos machen und mit allen Mitarbeitern sprechen können“, betont der ­AUVA-Experte. Neben der ergonomischen Gestaltung analysierte er auch die Umgebungsbedingungen wie Raumklima oder Beleuchtung. Bei schlechten Lichtverhältnissen steigt das Risiko eines Arbeitsunfalls, da man leichter Hindernisse übersieht.

„Wir haben vor Ort moderierte Arbeitsplatzevaluierungen gemacht, in die auch der Geschäftsführer, die Abteilungsleiter, Sicherheitsvertrauenspersonen und unser Arbeitsmediziner einbezogen waren“, so Pichler, der einen großen Vorteil in den bei AUVAfit angewandten Evaluierungsmethoden sieht. Alles, was man messen und bewerten könne, mache es leichter zu argumentieren, dass ein Arbeitsplatz verbessert werden müsse.

Umgesetzte Maßnahmen

Auf Basis der AUVAfit-Evaluierung wurde ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen und in der Folge umgesetzt. Dazu zählte die Anschaffung einer Hebehilfe, eines elektrischen Hubwagens und mehrerer Scherenhubtische, um die Arbeitshöhe an die unterschiedliche Körpergröße verschiedener Mitarbeiter anpassen zu können. Weiters wurden ergonomische Fußmatten angeschafft. Zur Erhöhung der Arbeitssicherheit brachte man im Innen- und Außenbereich Aufstiegshilfen mit Absturzsicherung an.

Eine überraschende Erkenntnis aus der Evaluierung spricht Pichler an: „Bei fast allen untersuchten Arbeitsplätzen ist die Beleuchtung ein Problem gewesen.“ So war in der Lagerhalle für Gefahrstoffe die Beleuchtungsstärke zu gering, insbesondere bei der Ausleuchtung der Ecken bestand Verbesserungsbedarf. Zusätzlich zur Erneuerung der Beleuchtung erhielten Wände und Boden einen helleren Anstrich.
Grabmüller weist darauf hin, dass es nicht nur um die Beleuchtungsstärke geht: „Auch die Lichtfarbe ist wichtig, diese wirkt sich auf das psychische Wohlbefinden aus. Alle Beleuchtungskörper in einem Raum sollten die gleiche Lichtfarbe haben.“ Für die richtige Positionierung der Lichtquellen wurde sowohl in den Werkshallen als auch in den Büros gesorgt, die man mit Tageslichtlampen ausstattete. Diese bewirken einen niedrigeren Melatoninspiegel und die Müdigkeit wird gehemmt.

Workshops und Schulungen

„Wir haben Büroarbeitsplätze in allen Bereichen der Produktion, im Labor, in der Verwaltung und im technischen Büro. Dort sitzen die Mitarbeiter den Großteil der Zeit vor Bildschirmen“, nennt Pichler einen Aspekt, auf den auch in Produktionsbetrieben nicht vergessen werden sollte. Bei Evonik wurden mehrere Verbesserungen realisiert: Höhenverstellbare Tische und Fußablagen ermöglichen eine günstige Haltung unabhängig von der Körpergröße, ergonomische Mäuse beugen dem Entstehen von Beschwerden im Hand-Arm-Bereich vor. Vor Ort wurden die Mitarbeiter auf die richtige Höheneinstellung der Bildschirme und auf die richtige Positionierung bei zwei Bildschirmen hingewiesen sowie darauf, sich regelmäßig zu bewegen.

Im Zuge der Evaluierung konnten auch Mitarbeiter ihre Anliegen äußern und damit zu Verbesserungen beitragen. „Die Arbeitnehmer waren dankbar, dass sie die Möglichkeit gehabt haben, Probleme mitzuteilen. Staplerfahrer haben uns zum Beispiel auf Schlaglöcher aufmerksam gemacht, die dann mit Asphalt aufgefüllt worden sind. Wenn man mit dem Stapler durch Löcher fährt, entsteht eine höhere Stoßbelastung der Wirbelsäule“, beschreibt Grabmüller.

Mittlerweile ist das AUVAfit-Programm abgeschlossen, noch ausständige Aktivitäten sollen demnächst durchgeführt werden. „Im Bereich der personenbezogenen Maßnahmen unterstützt die AUVA im Rahmen von AUVAfit Ergonomie mit speziell auf den Arbeitsplatz abgestimmten Workshops und Schulungen“, so Lebersorg-Likar. Da diese wegen Corona nicht stattfinden konnten, wurden sie auf den Sommer 2021 verschoben. Laut Pichler hat allerdings bereits eine Sensibilisierung stattgefunden, denn das bei ­AUVAfit Gelernte wird in den Abteilungen in die tägliche Arbeit integriert. (rp)

Frau und Mann bei der Arbeit mit einem elektrischen Hubwagen
Elektrischer Hubwagen zur Manipulation der 16 Kilogramm schweren Verpackungsfolien-Rollen
© R. Reichhart