Von 20. bis 22. Mai 2025 war das Austria Center Vienna Schauplatz des Forums Prävention International, des größten Fachkongresses für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz in Österreich. 146 Vortragende bzw. Vorsitzende aus dem In- und Ausland sowie mehr als 900 Besucher:innen nahmen teil. Auch heuer fand wieder eine Fachausstellung statt, bei der über 80 Aussteller:innen Produkte und Dienstleistungen aus dem Bereich der Arbeitssicherheit präsentierten.
Bereits am Tag vor dem Beginn der Hauptveranstaltung hatten Interessierte die Möglichkeit, an einem Workshop zu Inklusion am Arbeitsplatz teilzunehmen oder bei einer Exkursion das Klinikum Floridsdorf zu besichtigen. Parallel zum Forum Prävention konnte an den ersten beiden Veranstaltungstagen eine Leistungsschau der AUVA besucht werden.
Themenschwerpunkte
Das Thema der aktuellen AUVA-Kampagne „Gemeinsam sicher digital“ zog sich als roter Faden durch das Programm der Veranstaltung. Keynote-Speakerin Dr.in Heidi Kastner, Primarärztin an der Klinik für Psychiatrie am Kepler Universitätsklinikum Linz, sprach über künstliche und emotionale Intelligenz. Bei künstlicher Intelligenz (KI) handelt es sich nicht um tatsächliche Intelligenz, sondern um sehr schnelle komplexe Rechensysteme. Positive Empathie – also die Fähigkeit, die Emotionen anderer nachzuempfinden und entsprechend darauf zu reagieren – fehlt der KI, sie kann den Menschen daher nie ersetzen.
Neben Digitalisierung zählten das richtige Vorgehen bei Notfällen und „Vision Zero“, die Vision einer Welt ohne schwere oder tödliche Arbeitsunfälle, zu den Schwerpunkten des Forums Prävention. Wie in den letzten Jahren fanden die Vorträge in bewährter Weise zum Teil im Plenum, zum Teil in Form parallel abgehaltener Fachtagungen statt, deren Themen auf die jeweilige Branche abgestimmt waren.
Die Fachtagungen wurden von den Arbeitsgruppen Krankenanstalten, Arbeitsmedizin, Arbeits- und Organisationspsychologie, Verkehr und Transport, Metall und Elektro, Bau, Chemieindustrie, Öl- und Gasindustrie sowie von der Arbeitsgruppe Ergonomie in Kooperation mit der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie (ÖAE) durchgeführt. Dazu kamen Fachtagungen mit länderübergreifender Ausrichtung, an denen Sektionen der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) beteiligt waren.
Digitale Technologien
DI Dr. Johannes Sturn von der AUVA-Landesstelle Salzburg bot einen Überblick über die aktuelle Digitalisierungskampagne der AUVA. Auch die laufende Kampagne der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA),
„Sicher und gesund arbeiten in Zeiten der Digitalisierung“, befasst sich mit Chancen und Risiken digitaler Technologien. Durch Digitalisierung verursachte psychosoziale Belastungen können reduziert werden, wenn man die Beschäftigten bei der Einführung und Anwendung digitaler Technologien einbezieht, so DIin Dr.in Elke Schneider von der EU-OSHA.
Markus Ruppnig, BSc MSc, von der AUVA-Außenstelle Klagenfurt sprach über die gesundheitlichen Auswirkungen von Telearbeit. Langes Sitzen am Computer kann zur Entstehung von Muskel-Skelett-Erkrankungen führen. Bildschirmarbeit verursacht trockene Augen. da man weniger blinzelt, und fördert die Entstehung von Kurzsichtigkeit. Er empfahl, den Bildschirmarbeitsplatz ergonomisch zu gestalten, zwischendurch Entspannungsübungen zu machen und bei Bedarf eine Bildschirmarbeitsbrille zu verwenden.
Am Institut für Managementwissenschaften der Technischen Universität Wien wird geforscht, wie KI zur Arbeitserleichterung und Inklusion genutzt werden kann. Institutsvorstand Prof. Dr.-Ing. Sebastian Schlund präsentierte KI-Projekte seines Instituts: Adaptive Arbeitssysteme passen sich anhand von Sensordaten an den Menschen an, z. B. durch die automatische Einstellung der optimalen Arbeitshöhe. Mit der KI-App „Ergo4A“ kann man die Körperhaltung bei der Arbeit selbst analysieren. Das Assistenzsystem „Assist to Include“ (A2I) für Personen mit Beeinträchtigungen nutzt Augmented Reality, um Arbeitsanweisungen intuitiver darzustellen.
Vorbereitung auf Notfälle
Notfälle wie Unfälle, plötzliche Erkrankungen oder Naturereignisse können körperliche, aber auch psychische Auswirkungen haben. Wie die Rettungskette bei einem Unfall bei Forstarbeiten funktioniert, schilderten DI Thomas Berner von der AUVA-Landesstelle Graz und Maximilian Fedel vom Landesverband Salzburg des Österreichischen Roten Kreuzes. Sie berichteten von einer Übung im Rahmen der AUVA-Fachveranstaltung „Woodmaster“ 2024, bei der Standortbestimmung, Absetzen eines Notrufs und Einweisen der Rettungskräfte geprobt worden waren. Notfälle können bei direkt betroffenen Personen sowie bei Zeugen:Zeuginnen gesundheitliche Folgen, wie zum Beispiel psychische Störungen, nach sich ziehen. Rasche psychische Unterstützung nach einem Notfall kann diese negativen Folgen reduzieren. Mag. Dr. Thomas Strobach von der AUVA-Hauptstelle stellte das notfallpsychologische Betreuungskonzept der AUVA vor.
Vision Zero
Die Vision einer Welt ohne schwere oder tödliche Arbeitsunfälle stand im Mittelpunkt der Fachtagung der IVSS-Sektion Information. Künstliche Intelligenz kann zur Unfallprävention beitragen, etwa als Bestandteil eines Meldesystems für Beinaheunfälle. Die KI unterstützt bei der Auswertung der Daten und liefert Informationen, wie sich die Sicherheit im Unternehmen verbessern lässt. (rp)




