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Quarzfeinstaub auf Baustellen

Auf dem Forum Prävention wurden Praxislösungen für den als krebserzeugend eingestuften Quarzfeinstaub vorgestellt.

Manchmal sieht man ihn gar nicht, den alveolengängigen Quarzfeinstaub auf der Baustelle, der Silikose und in der Folge sogar Lungenkrebs verursachen kann. Trotzdem ist es einfach zu erkennen, ob ein erhöhtes Risiko besteht. „Viel sichtbarer Staub, viel alveolengängiger Staub. Wenig sichtbarer Staub, wenig alveolengängiger Staub.“ – Dieser simple Leitsatz stammt vom deutschen Feinstaub-Experten Dr. Reinhold Rühl, auf dessen Messungen mehrere Branchenlösungen in Deutschland beruhen.

DI Peter Neuhold vom Zentral-Arbeitsinspektorat, Leiter der Abteilung Bau- und Bergwesen, zitierte den Leitsatz auf dem Forum Prävention der AUVA, das heuer online abgehalten wurde. „Wenn wir auf eine Baustelle kommen und dort staubt es, brauchen wir nicht mehr darüber zu diskutieren, ob die Grenzwerte eingehalten werden oder nicht. Dann sind Maßnahmen erforderlich“, stellt Neuhold fest. Welche Maßnahmen man ergreifen kann, wird unter anderem in einem neuen Merkblatt der AUVA, M.plus 340.12 Quarzstaub als krebserzeugender Arbeitsstoff, nachzulesen sein. Das Merkblatt erscheint im Juli 2021.

Anlass für den Programmpunkt zu Quarzfeinstaub der Arbeitsgruppe Bau am Forum Prävention und auch für die Erstellung des AUVA-Merkblatts war die Neueinstufung von Quarzfeinstaub als krebserzeugend. Im Herbst 2020 wurde in Österreich die 2017 erlassene EU-Richtlinie 2017/2398, die Quarzfeinstaub als krebserzeugend einstuft, in nationales Recht umgesetzt. „Mit der Novelle wurde kein neuer Grenzwert für Quarzfeinstaub geschaffen, sondern der bestehende von 0,15 mg/m³ auf 0,05 mg/m³ maximale Arbeitsplatzkonzentration stark gesenkt. Dabei handelt es sich um einen MAK-Wert als Tagesmittelwert mit einem Bezugszeitraum von acht Stunden“, erläuterte
DI Robert Rosenberger von der Bundesinnung Bau und vom Fachverband der Bauindustrie der Wirtschaftskammer Österreich im Rahmen des Forums Prävention.

Da Quarzfeinstaub nun als krebserzeugender Arbeitsstoff gilt, gelten für Baustellen und andere betroffene Arbeitsstätten strengere Regeln als bisher. Neuhold fasste die zentralen Punkte zusammen: „Die wichtigsten gesetzlichen Vorgaben sind die Substitution, Messungen, Eignungs- und Folgeuntersuchungen sowie das Führen eines Arbeitnehmerverzeichnisses, das an den zuständigen Unfallversicherungsträger zu übermitteln ist.“

Staubarme Verfahren

Wie bei allen gefährlichen Arbeitsstoffen muss auch bei Quarzfeinstaub nach der STOP-Rangfolge – Substitution vor technischen, organisatorischen und zuletzt persönlichen Schutzmaßnahmen – vorgegangen werden. Ing. Manfred Frühwirth von der Abteilung 1 Bau- und Bergwesen des Zentral-Arbeitsinspektorats erklärt: „Das quarzhaltige Material kann man zwar meist nicht ersetzen, aber auf staubarme Arbeitsverfahren umstellen.“ Als Beispiel nennt er Spritzbetonarbeiten: „Hier sollte man das Nass-Spritzverfahren wählen, da es beim Trockenspritzen zu extremer Staubentwicklung kommt.“

Ein anderes Beispiel zur Staubreduktion führte DI Dr. Reinhold Both, Geschäftsführer der deutschen CFT GmbH Compact Filter Technic, an: „Eine Bedüsung mit Wasser ist in der Lage, 40 bis 50 Prozent der vorhandenen Stäube unter 4 µm zu binden. Bei Quarzfeinstaub sind die Partikel oft zu leicht, sie werden über die Oberflächenspannung weggeschoben. Man verbessert das durch den Einsatz von Additiven, die die Oberflächenspannung verringern, auf eine Effizienz von 50 bis 60 Prozent.“

Technische Maßnahmen

Weitere Firmenvertreter, die ihre praktischen Lösungen beim Forum Prävention präsentierten, gingen vor allem auf technische Schutzmaßnahmen ein. Maria Baumgarten, Technical Training Specialist der Hilti Austria GmbH, plädierte für eine integrierte Staubabsaugung, da diese keinen zusätzlichen Aufwand mit sich bringt. Alexander Steiner von der DeWalt Stanley Black & Decker Austria GmbH nannte als Option für Baustellen, auf denen noch kein Strom zur Verfügung steht, die Verwendung von Akku-Staubsaugern.
Um staubfreie oder -arme Verfahren zu fördern, haben die Bauverbände in Zusammenarbeit mit der Arbeitsinspektion eine Branchenlösung für die praxisgerechte Handhabung von Quarzfeinstaub auf Baustellen ausgearbeitet. „Kern der Branchenlösung ist eine Best-Practice-Liste mit roten und grünen Spalten. In den roten Spalten stehen schlechte, in den grünen Spalten gute Praktiken. Diese besagen: Wenn man die grün abgebildeten Arbeitsbedingungen einhält, kann man davon ausgehen, dass die Quarzfeinstaub-Grenzwerte unterschritten sind“, erläuterte Rosenberger.

Organisatorische ­Maßnahmen und PSA

Frühwirth sprach das Problem an, dass sich der beim Arbeiten entstehende Staub auf der Baustelle ausbreitet. Damit möglichst wenige Personen der Staubbelastung ausgesetzt sind, müssen nach dem Bauarbeitenkoordinationsgesetz Koordinierungsmaßnahmen getroffen werden, um Staub produzierende von anderen Tätigkeiten zu trennen. „In der Praxis passiert es leider oft, dass nachträglich gebohrt oder etwas herausgestemmt werden muss, weil man im Vorfeld nicht gut genug geplant hat oder weil es Veränderungen gegeben hat“, so Frühwirth.

Bereiche, in denen es zu einer starken Staubentwicklung kommt, sind abzuschotten. Bei Arbeiten in Innenräumen muss gut durchlüftet werden. Um ein Aufwirbeln des Staubs zu vermeiden, sollte man für die Reinigung nasse Verfahren bevorzugen. Essen, Trinken und Rauchen sind im Arbeitsbereich verboten.

Sind alle technischen und organisatorischen Maßnahmen ausgeschöpft und liegt trotzdem eine Grenzwertüberschreitung vor, so ist als persönliche Schutzausrüstung Atemschutz zu verwenden. Filtermasken sollten über ein Ausatemventil verfügen. Ist eine lange Tragedauer erforderlich, empfiehlt sich die Verwendung eines gebläseunterstützten Atemschutzes. „Der Arbeitgeber muss Schutz- und Arbeitskleidung zur Verfügung stellen, wenn mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen hantiert wird“, so Neuhold, der darauf hinwies, dass durch die Neueinstufung von Quarzfeinstaub auch in Bezug auf die persönliche Schutzausrüstung (PSA) strengere Vorgaben gelten. (rp)

Das Merkblatt der AUVA, M.plus 340.12 – Quarzstaub als krebs­erzeugender Arbeitsstoff, ist voraussichtlich Ende Juli 2021 verfügbar.

Abbildung eines Baggers beim Abriss eines Gebäudes mit viel Staubentwicklung
© Kadmy/AdobeStock