Jugendliche in Ausbildung und in den ersten Berufsjahren brauchen besondere Aufmerksamkeit, wenn es um Sicherheit und Prävention geht. Denn gerade am Beginn des Berufslebens werden Gewohnheiten geprägt, die später über viele Jahre den Arbeitsalltag bestimmen.
Der Einstieg in die Arbeitswelt ist für Jugendliche eine intensive Lebensphase. Vieles ist neu: der Betrieb, das Team, die Arbeitsabläufe, Maschinen, Werkzeuge, Kunden:Kundinnen, Zeitdruck, Erwartungen und oft auch körperliche Belastungen. Gerade deshalb sind Sicherheit und Prävention in der Ausbildung und in den ersten Berufsjahren besonders wichtig. Werden sichere Arbeitsweisen von Anfang an selbstverständlich vermittelt, entstehen gute Routinen.
Nachfragen erwünscht!
Viele Gefahren am Arbeitsplatz sind für geübte Fachkräfte selbstverständlich erkennbar: eine Stolperfalle, eine ungesicherte Leiter, ein falscher Griff, eine ungeeignete Körperhaltung, ein nicht ausgeschaltetes Gerät, eine fehlende Schutzbrille oder ein unkonzentrierter Moment an einer Maschine. Wer noch wenig Berufserfahrung hat, erkennt Gefahren oft später oder schätzt Situationen falsch ein.
Dazu kommt, dass junge Menschen in Ausbildung häufig besonders motiviert sind. Diese Motivation ist wertvoll, sie kann aber auch dazu führen, dass Aufgaben zu schnell erledigt werden. Sie fragen nicht nach, obwohl sie unsicher sind. Oder sie übernehmen Tätigkeiten, für die sie noch nicht ausreichend eingeschult wurden. Prävention bedeutet daher auch, eine Arbeitskultur zu schaffen, in der Nachfragen ausdrücklich erwünscht ist.
Prävention verständlich machen
Sicherheit darf nicht als Kontrolle verstanden werden, sondern als Teil guter Arbeit. Wer sicher arbeitet, arbeitet professionell. Dazu gehört, Arbeitsmittel richtig zu verwenden, persönliche Schutzausrüstung konsequent zu tragen, Pausen ernst zu nehmen, auf Ordnung zu achten und Belastungen rechtzeitig anzusprechen. Gerade Jugendliche profitieren davon, wenn ihnen erklärt wird, warum bestimmte Regeln gelten. Ein bloßes „Das macht man so“ reicht oft nicht. Verständlich wird Prävention erst dann, wenn der Zusammenhang klar ist: Was kann passieren? Wen betrifft es? Wie kann man es vermeiden?
Viele Jugendliche sind fit und belastbar, trotzdem ist ihr Körper noch in Entwicklung. Falsches Heben, langes Stehen, monotone Bewegungen oder ungünstige Arbeitshaltungen können Beschwerden verursachen – besonders dann, wenn sie regelmäßig auftreten. Wer früh lernt, auf Ergonomie, Ausgleich und gesunde Arbeitsabläufe zu achten, kann langfristig Belastungen reduzieren.
Neben der körperlichen Sicherheit gewinnt auch die psychische Gesundheit an Bedeutung. Jugendliche erleben den Start ins Berufsleben oft als herausfordernd. Leistungsdruck, Konflikte im Team, Unsicherheit, Schichtarbeit, Druck durch Kunden:Kundinnen oder digitale Dauererreichbarkeit können belasten. Auch hier braucht es Sensibilisierung: Was ist normale Anstrengung, was ist Überforderung? Und wer hilft bei Problemen?
Praxisnahe Unterweisung
Ausbilder:innen, Führungskräfte und erfahrene Kollegen:Kolleginnen nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Sie vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern auch Haltung. Jugendliche beobachten sehr genau, wie im Betrieb tatsächlich gearbeitet wird. Besonders hilfreich ist eine klare, wiederholte und praxisnahe Unterweisung. Jugendliche müssen wissen, welche Tätigkeiten sie ausführen dürfen, welche Risiken damit verbunden sind und wann sie Unterstützung holen sollen. Sicherheit muss im Alltag immer wieder Thema sein – bei neuen Aufgaben, bei veränderten Abläufen, nach Beinahe-Unfällen oder wenn Unsicherheiten sichtbar werden. (rh)




