Menschen, die mit psychischen Krankheiten wie Depressionen zu kämpfen haben, zeigen oft viel Stärke im Umgang mit ihrer Erkrankung: Sie stehen morgens auf, obwohl durch ihre Erkrankung der helfende Motivationsschub fehlt. Sie lernen, mit negativen Gedanken und Gefühlen umzugehen, und kämpfen sich durch schwierige Phasen. „All das zeugt von beeindruckender Stärke“, so die Psychologin und Studienleiterin Dr. Christina Bauer, BSc MSc vom Institut für Arbeits-, Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Wien. Frühere Studien haben gezeigt, dass diese Stärken aber allzu oft in Vergessenheit geraten, wenn über Menschen mit psychischen Erkrankungen gesprochen wird, sie werden stattdessen oft als „Schwächlinge“ dargestellt. „Wir wissen aus früheren Studien, dass Menschen mit Depressionen oft weniger Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben. In unserer neuen Studie konnten wir nun eindeutig beweisen, wie groß der Einfluss solcher Zuschreibungen sein kann“, so Bauer.
In drei Experimenten mit insgesamt 748 Teilnehmenden, die Depressionen erlebt hatten, wurde dazu angeregt, über eigene Stärken zu reflektieren. Im Vergleich zu einer zufällig zugewiesenen Kontrollgruppe zeigte sich, dass diese einfache Übung das Selbstvertrauen der Teilnehmenden deutlich erhöhen konnte. Das hatte auch Konsequenzen für die Fähigkeit der Teilnehmenden, ihre persönlichen Ziele zu verfolgen. In einem Langzeit-Experiment über zwei Wochen zeigte sich, dass Teilnehmende, die über ihre Stärken reflektiert hatten, 49 % mehr Fortschritt bei einem selbst gewählten persönlichen Ziel machten. (rh)
Quelle: Bauer, C., Walton, G., Hoyer, J., & Job, V.
Depression-reframing: Recognizing the strength in mental illness improves goal-pursuit among people who have faced depression. In Personality and Social Psychology Bulletin. 2026., DOI: 10.1177/01461672251412492




