Die Anonymität digitaler Räume und die schnelle Verbreitung von Inhalten begünstigen die Verbreitung beleidigender und diskriminierender Aussagen, auch im beruflichen Kontext. Beschäftigte werden online beleidigt, verunglimpft oder bedroht. ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) bietet Betroffenen und Unternehmen Unterstützung und Beratung. Mag.a Fiorentina Azizi-Hacker, Leiterin der ZARA-Beratungsstellen, gibt Einblick in die Handlungsmöglichkeiten Betroffener.
Auswirkungen auf Betroffene
Digitale Gewalt hat oft gravierende Folgen für Betroffene – psychisch, sozial und beruflich. Die ständige Belastung beeinträchtigt Konzentration und Leistungsfähigkeit. Manche wollen aus Angst vor dieser Gewalt nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Das kann zu vermehrten Krankenständen oder Kündigungen führen. Im Gegensatz zur realen Welt bietet der digitale Raum kaum Möglichkeiten zur Flucht. Dieses Gefühl der Ohnmacht und des ständigen Ausgeliefertseins kann schwer auf der Psyche lasten. Die Situation verschärft sich zusätzlich, wenn das soziale Umfeld die Gewalt nicht ernst nimmt. Betroffene ziehen sich oft aus den Online-Medien zurück. „Wenn sich Betroffene zurückziehen, fehlen ihre Stimmen im öffentlichen Diskurs“, warnt Azizi-Hacker in diesem Zusammenhang vor einem „Silencing“. Dem kann oft eine Belästigungs- und Hetztaktik zugrunde liegen, bei der viele einzelne kleine, grenzwertige Posts über Zeit, Plattformen und Accounts „in Scheiben“ verteilt werden. Für sich genommen wirkt jede „Scheibe“ harmlos, in Summe entsteht aber massiver Druck.
Wo es Unterstützung gibt
Betriebe müssen deutlich machen, dass sie hinter ihren Mitarbeitenden stehen und signalisieren: „Du bist nicht allein.“ Gemeinsam kann überlegt werden, ob rechtliche Schritte sinnvoll sind, und ob externe Beratungsstellen einbezogen werden sollen. „Einrichtungen wie ZARA bieten individuelle Beratung und klären gemeinsam mit den Betroffenen, welche Handlungsoptionen möglich sind. Es gibt nicht die eine richtige Vorgehensweise“, sagt Azizi-Hacker.
Viele Betroffene wollen vor allem, dass der Hass aufhört und möchten nicht zwingend rechtliche Schritte einleiten. Wichtig ist: dokumentieren! Je genauer Betroffene die Vorfälle dokumentieren, desto besser sind sie nachweisbar und juristisch verwertbar. Screenshots sollten angefertigt, Datum und Uhrzeit notiert werden, bevor Inhalte gelöscht werden. (se)
Was kann jeder: jede von uns tun?
- Zivilcourage zeigen: hinschauen statt wegsehen!
- Nicht in die Hassrede einsteigen.
- Aktiv Gegenrede leisten, zum Beispiel durch Kommentare wie: „Das ist nicht okay, warum sagst du das?“
- Kollegen:Kolleginnen beobachten und ansprechen, zum Beispiel direkt auf Betroffene zugehen:
- „Ich habe das gesehen – willst du darüber reden?“
- Betroffene ernst nehmen und unterstützen.
- Nachfragen: „Wie geht’s dir? Welche Schritte möchtest du setzen?“
- Vorfälle an Führungskräfte melden.
- Auf Beratungsstellen hinweisen.
Kontakt
ZARA Zivilcourage und
Anti-Rassismus-Arbeit
Schönbrunner Straße 119/13
Eingang: Am Hundsturm 7
1050 Wien
Tel.: +43 1 929 13 99
zara.or.at/de
ZARA unterstützt Personen, die von Hass im Netz oder von Rassismus betroffen sind, und bietet juristische und psychosoziale Beratung an – telefonisch, persönlich, auch anonym.




